Zeichen und Zeugnis
Dienstag, August 31, 2004
 
Der Staat gräbt sein eigenes Grab
Gesellschaftliche Trends spiegeln immer die Wertsetzungen von Mehrheiten wider. Wenn über Jahrzehnte Konsumansprüche, Konten und Ego-Konzepte wachsen, bleibt wenig Raum für Kinder und Familienleben. So investiert unser Staat kaum in die Qualifizierung der elterlichen Erziehung und setzt statt dessen weitestgehend auf öffentlich subventionierte Ganztagesbetreuungssysteme. Elterliche Erziehung muss nicht gelernt werden, scheint das Credo zu sein. Geht es um Hobbys und berufliche Erfordernisse — egal ob eine optimierte PC- Nutzung, chinesisches Kochen oder astrologisches Wissen angestrebt wird — Zeit und Geld kommen schnell zum Einsatz.

Aber diese Selbstverständlichkeit fehlt weitestgehend bei der Vorbereitung auf die Elternrolle. Demnach wird nachvollziehbar, dass zwischen Küche, Kinderzimmer und Karriereplanung für den Nachwuchs viel Unvermögen im Umgang mit den anstehenden Aufgaben als Väter und Mütter deutlich wird. Außerdem liegt die gesellschaftliche Anerkennung für diese herausfordernde Tätigkeit weit unter der der simpelsten — außer Haus beruflich ausgeübten — Tätigkeiten.


Zugleich verdeutlichen einige Mahner, dass selbst eine höhere Geburtenrate keinesfalls aus dem momentanen Desaster herausführt, wenn diese Jugendlichen nicht gleichzeitig gut ausgebildet sind, leistungsbereit und mobil auf den Arbeitsmarkt reagieren. Denn was hat eine Gesellschaft davon, wenn ein ständig wachsender Teil des Nachwuchses sich schon in jungen Jahren gezielt Richtung soziales Netz hangelt.

Ich resümiere: Ein Volk hat nur dann Zukunft, wenn nicht Konten, sondern Kinder zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten heranwachsen.

ALBERT WUNSCH
Kirchenzeitung Köln

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