Zeichen und Zeugnis
Freitag, August 27, 2004
 
Grübel, grübel, grübel ...
... Grübeln und übermäßiges Sorgen machen immer mehr Menschen krank. Betroffen sind vor allem jüngere Personen und Frauen, die stärker zu Depressionen neigen als Männer. Das hat die amerikanische Psychologieprofessorin Susan Nolen-Hoeksma herausgefunden. Seit über 20 Jahren befasst sie sich mit den seelischen Auswirkungen des Grübelns.

In einer Studie mit rund 1.300 Befragten stellte sich heraus, dass 73 Prozent der jungen Erwachsenen und 52 Prozent der mittleren Generation zum übermäßigen Grübeln neigen. Gleichzeitig werden die jüngeren anfälliger für Depressionen. Weniger als 20 Prozent der vor 1915 geborenen Amerikaner litten jemals unter krankhafter Schwermut, aber über 40 Prozent der nach 1955 geborenen mussten sich deswegen in Behandlung begeben.

Wie Nolen-Hoeksma in der Zeitschrift Psychologie heute (Weinheim) weiter schreibt, führen mehrere Faktoren der modernen Gesellschaft in die Grübelfalle. Zu den folgenreichsten gehöre das Wertevakuum. Heute hätten die Menschen zwar viel mehr Wahlmöglichkeiten als früher, etwa im Blick auf Beruf, Partnerschaft und Kinderzahl, aber viele wüssten nicht, was das Beste für sie ist. Nolen-Hoeksma: Ein Wertevakuum ist die ideale Brutstätte fürs Zuvieldenken.

Auch das Anspruchsdenken verführe zum Grübeln. Man meine zum Beispiel, ein Recht auf viel Geld, einen Traumjob und eine perfekte Beziehung zu haben; wenn das nicht gelinge, verfalle man in Selbstzweifel, statt die Probleme anzupacken oder sich zufriedenzugeben. Der zwanghafte Wunsch nach schnellen Lösungen könne sogar in den Alkoholismus führen, denn der vermeintliche Seelentröster bewirke, dass sich die Aufmerksamkeit ganz auf die Sorgen richte.

Selbst Atheisten delegieren ihre Sorgen im Gebet

Als Rezepte, wie man aus der Grübelfalle herauskommt oder gar nicht erst hineingerät, rät die Psychologin zum Innehalten, zum Aktivsein und zum Delegieren der Sorgen. Obwohl die Gesellschaft angeblich wenig religiös sei, hätten 40 Prozent der Befragten angeben, dass sie sich dem Gebet oder der Meditation zuwenden, um sich von Sorgen und quälendem Nachdenken zu befreien. Sogar sonst völlig unreligiöse Menschen schickten ein kleines Gebet zum Himmel, wenn ihnen alles über den Kopf zu wachsen drohe.

Die Vorschläge der Psychologin ähneln auffallend den Worten Jesu, etwa Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden ... mit alltäglichen Sorgen (Lukas 21,22) oder Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? (Matthäus 6,25).

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