Zeichen und Zeugnis
Donnerstag, Oktober 28, 2004
Ratzinger war weder „so progressiv wie früher noch so konservativ wie heute behauptet wird“
Kardinal Joseph Ratzinger erregt die Gemüter, aber dieser Mann „ist mehr als die polemischen Äußerungen über ihn“, meint Pablo Blanco, der den Kardinal „einen der Hauptprotagonisten einer Theologie nennt, welche die Spannung zwischen den beiden Jahrtausenden aushält.“
Blanco hat vor kurzem beim spanischen Verlagshaus Eunsa das Buch „Joseph Ratzinger. Una Biografia“ veröffentlicht. Die Biographie versucht „etwas mehr vom Leben“ des Kardinals zu zeigen.
Gegenüber ZENIT erklärte Blanco, dass der Präfekt der Glaubenskongregation „wegen seines offiziellen Amtes besser bekannt ist“, dass er jedoch „nie versäumt hat, seine eigene theologische Meinung in Büchern und Veröffentlichungen kund zu tun, auch nachdem er Bischof von München und Präfekt in Rom wurde. Dies hat er sich von Johannes Paul II. erbeten, der dies gerne genehmigte. Bis dahin hatte es so etwas nicht gegeben. Aber sogar der Papst veröffentlicht seine Bücher!“
Für Blanco gehört zu den wichtigen Punkten der Theologie Ratzingers „das Wesen der Kirche und der kirchlichen Gemeinschaft; der Anspruch auf Wahrheit in einer skeptischen Welt; die Beziehung zwischen Wahrheit, Geschichte und Freiheit; die Notwendigkeit von Vernunft und Intelligenz für das Christentum; und schließlich die Einheit von Wahrheit, Liebe und Schönheit.“
Für jene, die sagen, dass Ratzinger sich vom „Progressiven“ zum „Konservativen“ gewandelt habe, erklärt der Autor der Biographie, dass Ratzinger „eine gewisse Entwicklung in seinem Denken zugibt, aber natürlich bin ich nicht der Meinung, dass es bei ihm diesen von manchen Medien behaupteten radikalen und absurden Wechsel gegeben hat.“
„Es ist schwierig zu glauben, dass ein progressiver deutscher Theologe zum ´Panzerkardinal´ werden kann, quasi über Nacht ein totaler Inquisitor“, meinte er scherzhaft. „Es gibt in seinem Denken, abgesehen von der logischen und sichtbaren Entwicklung, eine deutliche Kontinuität. Wenn jemand bei einer Person eine so radikale Veränderung feststellt, ist das entweder so oder es hat im Gegenteil mit einer Veränderung der eigenen Sichtweise zu tun.“ „Vielleicht war Ratzinger nicht der einzige, der sich verändert hat. Ich weiß es nicht, aber ich glaube, dass er weder so progressiv war, wie man einmal behauptete, noch so konservativ, wie er jetzt bezeichnet wird“, meinte Blanco.
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