Zeichen und Zeugnis
Sonntag, März 13, 2005
 
Klonen = Atombombe?
„Das berühmte Klon-Schaf Dolly (...) verkörpert eine Bedrohung der Menschheit, die allenfalls vergleichbar ist mit der Erfindung der Atombombe.“ Diese Ansicht vertrat niemand Geringeres als der Physiker und Friedensnobelpreisträger Józef Rotblat. Der Pole mit britischem Pass wusste wovon er sprach...
Dass übermorgen in der Frankfurter Paulskirche im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler ausgerechnet jener Wissenschaftler, dessen Schöpfung Rotblat mit der Atombombe auf eine Stufe stellt, mit einem der begehrtesten Wissenschaftspreise der Welt ausgezeichnet werden soll, belegt eindrucksvoll, welchen Wandel die Welt in der zurückliegenden Dekade erfahren hat. Geradezu fassungslos muss jedoch machen, dass mit Ausnahme der Lebensschutzbewegung, dem Kolpingwerk und einzelnen Politikern niemand die Stimme gegen diesen epochalen Skandal erhebt. Nicht nur, dass mitten in Deutschland ein Forscher prämiert wird, der im Ausland praktiziert, was hierzulande bei Strafe verboten ist. Nicht nur, dass dieses Tun mit Steuergeldern deutscher Bürger gesponsert werden soll – nein, die geladene Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wird auch noch Beifall klatschen,,,
Es wird höchste Zeit, dass die Politik aufhört, wie das Kaninchen die Schlange anzustarren. Man ist nicht wissenschaftsfeindlich, wenn man Forschern, die sich auf die „Freiheit der Wissenschaft“ berufen und dann behaupten, schließlich würden sie nur harmlose Grundlagenforschung betreiben, die Worte des jüdischen Technikphilosophen Hans Jonas entgegenhält: „Das Experiment ist die wirkliche Tat und die wirkliche Tat ein Experiment.“ Man ist nicht wirtschaftsfeindlich, wenn man daraufhin hinweist, dass im so genannten „Board of Trustees“ der Paul Ehrlich-Stiftung mit Aventis, Bayer, Boehringer Ingelheim Grünental, Hofmann-La Roche, Pfizer, Novartis, Sanofi und Schering nahezu die gesamte deutsche Pharmaindustrie vertreten ist. Konzerne, die ein vitales Interesse daran haben, dass Forschung nicht Theorie bleibt, sondern anwendbar und damit rentabel wird. Man muss nur zwei und zwei zusammenzählen.

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