Zeichen und Zeugnis
Donnerstag, März 16, 2006
 
20 Jahre im Gefängnis

Ich bin der Priester Petrus Han. Ich bin 86 Jahre alt und wurde 1946 zum Priester geweiht. 1949 bin ich bei der Machtübernahme der Kommunisten nach Hongkong gegangen. Mein Bischof hat mich zurückgeschickt, denn er hat gemeint, in China braucht es Menschen, die sich für die Herde verantwortlich fühlen. Ich ging zurück, aber die Kirche hatte damals kein Geld. Das Bankkonto der Diözese war gesperrt. Es hieß, ich sollte arbeiten gehen.

Ich habe Medizin studiert und eine kleine Praxis gehabt, und so konnte ich mich über Wasser halten. Als die Kommunisten übernommen hatten, warfen sie mir vor, ich habe in Hongkong eine von den USA geförderte spezielle Ausbildung erhalten, um als Spitzel der Gegner Operationen zu unternehmen. Ich wurde nach China zurück gebracht und in Einzelhaft gehalten. Man warf mir, konterrevolutionär gewesen zu sein.

In der Haft wurde ich schikaniert. Vor allem das Essen war sehr schlecht. Wir bekamen einen klebrigen Brei mit etwas Kohl zu essen. Es war sehr schlecht, wir konnten uns kaum über Wasser halten. Wir waren über zehn Leute in eine enge Zelle hineingepfercht. Manchmal erlaubte man uns einen Rundgang außerhalb der Zellen. Ich habe im Gefängnis viel gebetet, aber ganz verborgen. Ich habe nichts zu sagen gewagt, geschweige denn, den Glauben zu verbreiten.

Im selben Gefängnis war auch eine über 50-jährige Frau, eine eifrige Katholikin, die ständig laut den Rosenkranz gebetet hat. Sie hat ständig über den Glauben geredet. Man hat ihr den Mund zugestopft und sie in einen Eisenkäfig hineingestellt, tagelang schikaniert und nach ein paar Tagen sie erschossen. Nach acht Jahren im Gefängnis fielen mir die Haare aus, der Körper schwoll an wegen der schlechten Nahrung und der üblen Zustände.

In dieser Situation sagte ich: „Wenn ich schuldig bin, dann erschießt mich.“ In den acht Jahren gab es nämlich ständig Verhöre, aber keine Verurteilung. Daraufhin bekam ich eine offizielle Verurteilung wegen Konterrevolution mit einer Haftstrafe von 20 Jahren. Von der Einzelhaft wurde ich in ein Arbeitslager geschickt, in eine Grube. Ich hatte keine Erfahrung und war sehr geschwächt. Der Wärter dort schimpfte und schlug mich.

Im Bergwerk musste ich intensiv arbeiten und sollte umerzogen werden. Jeden Tag machte ich politische Indoktrination mit. Das hat an mir sehr gezehrt. 1978 war die Kulturrevolution schon vorbei, da wurde es etwas besser. Die ganze Haltung der Kader hat sich geändert – von Feindseligkeit zu Mitleid und zu Respekt. Ich habe mich nicht gewehrt oder protestiert. Da wurde die Lage besser für mich. Im Lager wurde bald bekannt, dass er medizinische Kenntnisse hatte. Er musste lateinische Ausdrücke erklären.

Am Schluss wurde ich rehabilitiert und musste die 20 Jahre nicht voll absitzen. Vier Monate wurden mir geschenkt. Nach 19 Jahren konnte ich wieder in die kirchliche Arbeit zurückkehren. Jetzt sage ich, dass ich mittlerweile für die Jahre der Unfreiheit sehr dankbar bin. Sie haben mir einen Sinn dafür geschenkt, wie kostbar mein Leben als Priester und mein Dienst ist, den ich jetzt mehr als zuvor schätze. Ich möchte den Organisatoren danken, dass sie mich eingeladen haben.

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