Zeichen und Zeugnis
Donnerstag, Oktober 19, 2006
 
Die Theologie des Leibes y die drei Urerfahrungen der Menschheit
George Weigel bezeichnet die „Theologie des Leibes“ in seiner Papstbiographie „Witness to Hope” („Zeuge für die Hoffnung”) als eine „theologische Zeitbombe”. Ich meine, dass er Recht hat. Johannes Paul II. hat uns nämlich drei Urerfahrungen hinterlassen, die Teil der Erfahrung Adams und Evas waren, die aber auch Bestandteil unserer eigenen menschlichen Existenz sein können, wenn wir es nur wollen. Nach Johannes Paul II. müssen wird dafür die nötigen Voraussetzungen schaffen, erst dann können sie sich entwickeln und uns zu dem hinführen, was Gott mit uns ursprünglich im Sinne hatte.

Wir alle haben die Erfahrung von der Ursünde: Etwas frei nach Paulus formuliert: Wir tun die Dinge, die wir nicht wollen, und jene Dinge, die wir wirklich wollen, fallen uns schwer – die Ursünde ist nicht schwer auszumachen.

Aber mit der „Theologie des Leibes“ haben wir jetzt folgende drei Urerfahrungen des Menschen, die positiv und nicht negativ sind: die ursprüngliche Einsamkeit, die ursprüngliche Einheit und die ursprüngliche Nacktheit.

Wenn man die jungen Menschen dazu bringt, ihre Einsamkeit zu erfahren, zu erfahren, dass sie als Mensch allein dastehen, wird ihnen das helfen zu erkennen, dass ihr Körper Symbolkraft hat. Und das heißt auch, dass die Sexualität Symbolkraft hat und Sex alles andere als ein „Freizeitsport“ ist. Sexualität bedeutet mehr als Lust. Die sexuelle Vereinigung ist jener symbolträchtige Akt, mit dem ein Ehemann und eine Ehefrau einander ganz annehmen und sich einander schenken.

Wenn man den jungen Menschen dabei hilft, eine Erfahrung der Einheit zu machen, der Liebe, so gelangen sie zur Erkenntnis, dass ihr Körper und die Sexualität für die Liebe geschaffen sind und nicht nur für eine vorübergehende Eskapade.

In seiner ersten Enzyklika bemerkt Johannes Paul II., dass wir ohne Liebe nicht leben können. Ich bin der Überzeugung, dass die Entfaltung dieser zweiten Urerfahrung durch den Papst, die er „ursprüngliche Einheit“ nennt, viel dazu beiträgt, die Krise der Liebe – den Mangel an Liebe – anzugehen, ein Übel, das tief in unserer Kultur verwurzelt ist.

Und dann ist da noch die faszinierende menschliche Urerfahrung, die er „ursprüngliche Nacktheit“ nennt. Diese Erfahrung wird den jungen Menschen helfen, den Sinn ihrer Freiheit zu erkennen.

Freiheit nicht einfach als bloße Wahlmöglichkeit zu verstehen, sondern vielmehr als die geheimnisvolle Fähigkeit, die wir empfangen haben, um unser Leben einander und dem Herrn zu schenken, es ihm aus freien Stücken hingeben zu können.

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