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Katechismus der katholischen Kirche (Kompendium)


 

KOMPENDIUM

MOTU PROPRIO

zur Approbation und Veröffentlichung
des Kompendiums
des Katechismus der Katholischen Kirche

 

An die ehrwürdigen Brüder Kardinäle, Patriarchen, Erzbischöfe, Bischöfe, Priester und Diakone und an alle Glieder des Volkes Gottes

Vor zwanzig Jahren begann die Arbeit am Katechismus der Katholischen Kirche, den die außerordentliche Versammlung der Bischofssynode aus Anlass des 20. Jahrestages des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils erbeten hatte.

Ich bin Gott, dem Herrn, unendlich dankbar, dass er der Kirche diesen Katechismus geschenkt hat, der im Jahr 1992 von Papst Johannes Paul II., meinem verehrten und geliebten Vorgänger, promulgiert worden ist.

Der große Nutzen und Wert dieses Geschenkes wurde bestätigt durch die breite positive Aufnahme im Episkopat, an den er - als sicherer und authentischer Bezugstext für die Darlegung der katholischen Lehre und besonders für die Ausarbeitung der örtlichen Katechismen - in erster Linie gerichtet war. Die Bedeutung des Katechismus wurde auch dadurch unter Beweis gestellt, dass er in allen Teilen des Volkes Gottes, die ihn in den mehr als fünfzig Sprachen, in die er bisher übersetzt wurde, kennen und schätzen lernen konnten, in hohem Maß wohlwollend aufgenommen worden ist.

Nun approbiere und promulgiere ich mit großer Freude das Kompendium dieses Katechismus.

Das Kompendium wurde im Oktober 2002 lebhaft von den Teilnehmern des Internationalen Katechetischen Kongresses gewünscht, die auf diese Weise ein in der Kirche weit verbreitetes Bedürfnis zum Ausdruck brachten. Mein verstorbener Vorgänger griff diesen Wunsch auf und beschloss im Februar 2003 seine Umsetzung. Er vertraute die Redaktion einer von mir geleiteten kleinen Kardinalskommission an, der einige Fachleute als Mitarbeiter zur Seite standen. Im Lauf der Arbeiten wurde ein Entwurf des Kompendiums allen Kardinälen und Vorsitzenden der Bischofskonferenzen vorgelegt, die ihn mit großer Mehrheit positiv aufgenommen und bewertet haben.

Das Kompendium, das ich nun der ganzen Kirche vorlege, ist eine getreue und sichere Zusammenfassung des Katechismus der Katholischen Kirche. Es enthält in knapper Form alle wesentlichen und grundlegenden Elemente des Glaubens der Kirche und bildet so, wie es von meinem Vorgänger gewünscht worden war, eine Art Vademecum, das den Menschen - ob sie gläubig sind oder nicht - ermöglicht, in einer Gesamtschau das ganze Panorama des katholischen Glaubens zu überblicken.

Das Kompendium spiegelt im Aufbau, in den Inhalten und in der Sprache den Katechismus der Katholischen Kirche wider und bietet als Zusammenfassung eine Hilfe und Anregung, um ihn noch mehr bekannt zu machen und zu vertiefen.

Ich vertraue dieses Kompendium deshalb mit Zuversicht der ganzen Kirche und jedem einzelnen Christen an, damit sie sich in diesem dritten Jahrtausend mit neuem Schwung für die Evangelisierung und Glaubenserziehung einsetzen. Dieser erneuerte Einsatz muss jede kirchliche Gemeinschaft und jeden Christgläubigen jedweden Alters und jedweden Volkes auszeichnen.

Wegen seiner Kürze, Klarheit und Vollständigkeit richtet sich dieses Kompendium auch an alle Menschen, die inmitten einer zerstreuten Welt mit vielfältigen Botschaften den Weg des Lebens kennen lernen möchten: die Wahrheit, die Gott der Kirche seines Sohnes anvertraut hat.

Möge jeder beim Lesen des Kompendiums, das ein Werkzeug mit maßgebender Bedeutung ist, dank der besonderen Fürbitte Marias, der heiligsten Mutter Christi und der Kirche, immer mehr die unerschöpfliche Schönheit, Einzigkeit und Aktualität des vorzüglichen Geschenkes erkennen und aufnehmen, das Gott der Menschheit gemacht hat: seinen einzigen Sohn, Jesus Christus, der „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ ist (Joh 14, 6).

Gegeben am 28. Juni 2005, dem Vorabend des Hochfestes der heiligen Petrus und Paulus, im ersten Jahr meines Pontifikates.

Benedictus PP XVI


 

EINLEITUNG

1. Am 11. Oktober 1992 übergab Papst Johannes Paul II. den Gläubigen der ganzen Welt den Katechismus der Katholischen Kirche, den er als „Bezugstext für eine aus den lebendigen Quellen des Glaubens erneuerte Katechese“[1] vorlegte. Dreißig Jahre nach der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) wurde so trefflich der Wunsch erfüllt, den die außerordentliche Versammlung der Bischofssynode im Jahr 1985 geäußert hatte, nämlich dass ein Katechismus der ganzen katholischen Glaubens- und Sittenlehre erstellt werde.

Fünf Jahre später bekräftigte der Papst am 15. August 1997 mit der Promulgation der Editio typica des Catechismus Catholicae Ecclesiae die grundlegende Zielsetzung des Werkes, „eine vollständige, unversehrte Darstellung der katholischen Lehre zu bieten, die es allen ermöglicht, das kennen zu lernen, was die Kirche in ihrem alltäglichen Leben bekennt, feiert, lebt und betet“[2].

2. Für eine bessere Erschließung des Katechismus und um einer beim Internationalen Katechetischen Kongress 2002 geäußerten Bitte entgegen zu kommen, errichtete Johannes Paul II. 2003 eine Spezialkommission unter Vorsitz des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre und betraute sie mit der Aufgabe, ein Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche zu erstellen, in dem die Inhalte des Glaubens in einer mehr zusammenfassenden Weise dargelegt werden. Nach zweijähriger Arbeit entstand ein Entwurf des Kompendiums, der den Kardinälen und Vorsitzenden der Bischofskonferenzen zur Konsultation übermittelt wurde. Dieser Entwurf wurde in seiner Gesamtheit von der absoluten Mehrheit der Antworten positiv bewertet. Deshalb begann die Kommission mit der Überarbeitung des Entwurfs und approbierte unter Berücksichtung der eingegangenen Verbesserungsvorschläge den endgültigen Text des Werkes.

3. Das Kompendium zeichnet sich durch drei grundlegende Merkmale aus: die enge Abhängigkeit vom Katechismus der Katholischen Kirche, die dialogische Struktur und die Verwendung von Bildern in der Katechese.

Das Kompendium ist vor allen Dingen nicht ein Werk für sich und will in keiner Weise den Katechismus der Katholischen Kirche ersetzen. Es verweist vielmehr ständig auf den Katechismus, gibt genau die Bezugsnummern an und folgt durchgehend seiner Struktur, seiner Darlegung und seinen Inhalten. Das Kompendium will zudem das Interesse und den Eifer für den Katechismus erneuern, der aufgrund seiner Weisheit in der Darstellung und seines geistlichen Charakters immer der Grundtext für die kirchliche Katechese heute bleibt.

Wie der Katechismus ist auch das Kompendium entsprechend den Grundgesetzen des Lebens in Christus in vier Teile gegliedert.

Der erste Teil - „Das Glaubensbekenntnis“ - enthält eine gelungene Zusammenfassung der lex credendi, das heißt des Glaubens, der von der katholischen Kirche bekannt wird. Er folgt dem Apostolischen Glaubensbekenntnis und greift immer wieder auf das Nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis zurück, dessen beständige Verkündigung in den christlichen Versammlungen das Andenken der Grundwahrheiten des Glaubens lebendig hält.

Im zweiten Teil - „Die Feier des christlichen Mysteriums“ - werden die wesentlichen Elemente der lex celebrandi dargelegt. Die Verkündigung des Evangeliums findet ihre bevorzugte Antwort im sakramentalen Leben. Darin erfahren und bezeugen die Gläubigen in allen Situationen ihres Lebens die Heilswirksamkeit des Pascha-Mysteriums, in dem Christus das Werk unserer Erlösung vollbracht hat.

Der dritte Teil - „Das Leben in Christus“ - ruft die lex vivendi in Erinnerung, das heißt den Einsatz, mit dem die Gläubigen in ihrem Verhalten und in ihren sittlichen Entscheidungen die Treue zum bekannten und gefeierten Glauben bekunden. Die Gläubigen sind ja vom Herrn Jesus berufen, jene Werke zu vollbringen, die ihrer Würde als Kinder des Vaters in der Liebe des Heiligen Geistes entsprechen.

Der vierte Teil - „Das christliche Gebet“ - bietet eine Zusammenfassung der lex orandi, also des Gebetslebens. Nach dem Beispiel Jesu, der das vollkommene Vorbild des Beters ist, ist auch der Christ zum Dialog mit Gott im Gebet berufen. Dessen bevorzugter Ausdruck ist das Vaterunser - das Gebet, das Jesus selbst uns gelehrt hat.

4. Ein zweites Merkmal des Kompendiums ist seine dialogische Form, die eine alte literarische Gattung der Katechese wieder aufgreift, welche aus Fragen und Antworten besteht. Es geht darum, eine Art Dialog zwischen dem Meister und dem Jünger darzustellen. Die rasch aufeinander folgenden Fragen reißen den Leser mit und laden ihn ein, immer neue Aspekte der Wahrheit seines Glaubens zu entdecken. Die dialogische Form trägt auch dazu bei, den Text beträchtlich zu kürzen und auf das Wesentliche zu beschränken. Dies könnte die Aneignung und das eventuelle Auswendiglernen der Inhalte fördern.

5. Ein drittes Merkmal besteht in der Verwendung einiger Bilder, mit denen die Gliederung des Kompendiums verdeutlicht wird. Sie stammen aus dem überaus reichen Erbe der christlichen Ikonographie. Von der Jahrhunderte langen Tradition der Konzilien lernen wir, dass auch das Bild Verkündigung des Evangeliums ist. Die Künstler jeder Epoche haben die herausragenden Ereignisse des Heilsmysteriums den Gläubigen zum Betrachten und Bestaunen dargeboten und sie im Glanz der Farbe und in der Vollkommenheit der Schönheit zur Darstellung gebracht. Dies ist ein Zeichen dafür, dass das sakrale Bild in der visuellen Kultur von heute viel mehr als das Wort auszudrücken vermag, weil es in seiner Lebendigkeit die Botschaft des Evangeliums äußerst wirksam zur Sprache bringt und weitergibt.

6. Vierzig Jahre nach Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils und im Jahr der Eucharistie stellt das Kompendium ein weiteres Hilfsmittel dar, um bei den Gläubigen aller Altersstufen und Stände den Hunger nach Wahrheit zu stillen und auch dem Bedürfnis jener entgegen zu kommen, die zwar nicht gläubig sind, aber nach Wahrheit und Gerechtigkeit dürsten. Seine Veröffentlichung erfolgt am Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus, der Säulen der ganzen Kirche und vorbildlichen Verkünder des Evangeliums in der antiken Welt. Diese Apostel sahen, was sie verkündeten, und bezeugten die Wahrheit Christi bis zum Martyrium. Ahmen wir ihren missionarischen Eifer nach und bitten wir den Herrn, dass die Kirche immer der Lehre der Apostel folge, von denen sie die erste frohe Ankündigung des Glaubens empfangen hat!

 

20. März 2005, Palmsonntag.

 

+ Joseph Card. Ratzinger
Präsident der Spezialkommission

[1] Johannes Paul II., Apostolische Konstitution Fidei depositum, 11. Oktober 1992: AAS 86 (1994) 115.

[2] Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Laetamur magnopere, 15. August 1997: AAS 89 (1997) 820.

 

ERSTER TEIL 

DAS GLAUBENSBEKENNTNIS
 

ERSTER ABSCHNITT  

„ICH GLAUBE“ – „WIR GLAUBEN“

1. Welchen Ratschluss hat Gott für den Menschen?

1-25

Gott ist in sich unendlich vollkommen und glücklich. In einem aus reiner Güte gefassten Ratschluss hat er den Menschen aus freiem Willen erschaffen, damit dieser an seinem glückseligen Leben teilhabe. Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott Vater seinen Sohn als Erlöser und Retter der Menschen, die in Sünde gefallen waren. Er hat sie in seine Kirche gerufen und durch das Wirken des Heiligen Geistes als seine Kinder angenommen und zu Erben seiner ewigen Glückseligkeit gemacht.

 

ERSTES KAPITEL

Der Mensch ist „gottfähig“

„Groß bist du, Herr, und überaus lobwürdig ... Du hast uns auf dich hin geschaffen, und ruhelos ist unser Herz, bis es ruhet in dir“ (hl. Augustinus).

 

2. Warum steckt im Menschen das Verlangen nach Gott?

26-30

Gott selbst, der den Menschen nach seinem Bild erschaffen hat, schrieb in sein Herz das Verlangen, ihn zu sehen. Auch wenn dieses Verlangen oft verkannt wird, hört Gott nicht auf, den Menschen an sich zu ziehen. Denn er soll leben und in ihm jene Fülle der Wahrheit und des Glücks finden, die er unablässig sucht. Der Mensch ist also seiner Natur und Berufung nach ein religiöses Wesen, das fähig ist, in Gemeinschaft mit Gott zu treten. Diese innige, lebendige Verbindung mit Gott verleiht dem Menschen seine grundlegende Würde.

 

3. Wie kann man Gott mit dem bloßen Licht der Vernunft erkennen?

31-36

Ausgehend von der Schöpfung, das heißt von der Welt und von der menschlichen Person, kann der Mensch mit der bloßen Vernunft Gott gewiss als Ursprung und Ziel aller Dinge und als höchstes Gut, als Wahrheit und als unendliche Schönheit erkennen.

 

4. Genügt das bloße Licht der Vernunft, um das Mysterium Gottes zu erkennen?

37-38

Der Mensch stößt beim Erkennen Gottes mit dem bloßen Licht der Vernunft auf viele Schwierigkeiten. Außerdem kann er nicht von allein ins Innerste des göttlichen Mysteriums eintreten. Deshalb wollte Gott ihn mit seiner Offenbarung erleuchten, und zwar nicht nur über Wahrheiten, die das menschliche Verständnis übersteigen, sondern auch über religiöse und sittliche Wahrheiten, die der Vernunft an sich zugänglich sind, aber so von allen ohne Schwierigkeit, mit sicherer Gewissheit und ohne Beimischung eines Irrtums erkannt werden können.

 

5. Wie kann man von Gott sprechen?

39-43

Man kann von Gott zu allen und mit allen sprechen, wenn man von den Vollkommenheiten des Menschen und der übrigen Geschöpfe ausgeht, die ein - wenn auch begrenzter - Widerschein der unendlichen Vollkommenheit Gottes sind. Dennoch müssen wir unser Sprechen unablässig von allem Bildhaften und Unvollkommenen läutern, wohl wissend, dass man das unendliche Mysterium Gottes nie ganz ausschöpfen kann.

 

ZWEITES KAPITEL

Gott geht auf den Menschen zu

Die Offenbarung Gottes

 

6. Was offenbart Gott dem Menschen?

50-53

In seiner Güte und Weisheit offenbart sich Gott dem Menschen. In Taten und Worten offenbart er sich selbst und seinen gnädigen Ratschluss, den er in Christus für das Menschengeschlecht von Ewigkeit her gefasst hat. Dieser Ratschluss besteht darin, durch die Gnade des Heiligen Geistes alle Menschen als seine Kinder in seinem einzigen Sohn anzunehmen und am göttlichen Leben teilhaben zu lassen.

 

7. Mit welchen Stufen beginnt die Offenbarung Gottes?

54-58

Gott tut sich schon von Anfang an den Stammeltern, Adam und Eva, kund und beruft sie zu einer innigen Gemeinschaft mit ihm. Nach ihrem Sündenfall bricht er seine Offenbarung nicht ab und verheißt das Heil für alle ihre Nachkommen. Nach der Sintflut schließt er mit Noach einen Bund zwischen ihm und allen lebenden Wesen.

 

8. Welche Stufen der Offenbarung Gottes folgen dann?

59-64

Gott erwählt Abram und ruft ihn aus seinem Land, um ihn zu Abraham, das heißt zum „Stammvater einer Menge von Völkern“ (Gen 17, 5), zu machen. Er verheißt ihm, „alle Völker der Erde“ (Gen 12, 3) in ihm zu segnen. Die Nachkommen Abrahams werden zu Trägern der göttlichen Verheißungen, die an die Patriarchen ergangen sind. Gott macht Israel zu seinem auserwählten Volk: Er befreit es aus der Knechtschaft Ägyptens, schließt mit ihm den Sinaibund und gibt ihm durch Mose sein Gesetz. Die Propheten künden eine radikale Erlösung des Volkes an und ein Heil, das alle Völker in einem neuen und ewigen Bund umfassen wird. Aus dem Volk Israel, aus dem Stamm des Königs David, wird der Messias hervorgehen: Jesus.

 

9. Welches ist die letzte und endgültige Stufe der Offenbarung Gottes?

65-66

Die letzte Stufe verwirklicht sich in seinem Fleisch gewordenen Sohn, in Jesus Christus, dem Mittler und der Fülle der Offenbarung. Er, der eingeborene und Mensch gewordene Sohn Gottes, ist das vollkommene und endgültige Wort des Vaters. Mit der Sendung des Sohnes und der Gabe des Geistes ist die Offenbarung nunmehr gänzlich abgeschlossen, auch wenn der Glaube der Kirche im Lauf der Jahrhunderte nach und nach ihre ganze Tragweite erfassen muss.

„Seit er uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein einziges und endgültiges Wort ist, hat Gott uns kein anderes Wort zu geben. Er hat alles zumal in diesem einen Worte gesprochen, und  mehr hat er nicht zu sagen“ (hl. Johannes vom Kreuz).

 

10. Welchen Wert haben Privatoffenbarungen?

67

Sie gehören nicht zum Glaubensgut. Sie können aber helfen, aus dem Glauben zu leben, wenn sie streng auf Christus ausgerichtet bleiben. Das Lehramt der Kirche, dem die Unterscheidung solcher Privatoffenbarungen zusteht, kann deshalb jene nicht annehmen, die vorgeben, die endgültige Offenbarung, die Christus ist, zu übertreffen oder zu berichtigen.

 

Die Weitergabe der göttlichen Offenbarung

 

11. Warum und in welcher Weise muss die göttliche Offenbarung weitergegeben werden?

74

Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2, 4), das heißt zur Erkenntnis Jesu Christi. Deshalb muss Christus allen Menschen verkündet werden, wie er selbst geboten hat: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28, 19). Das geschieht in der apostolischen Überlieferung.

 

12. Was ist die apostolische Überlieferung?

75-79
83

Die apostolische Überlieferung ist die Weitergabe der Botschaft Christi, die sich seit den Anfängen des Christentums durch die Predigt, das Zeugnis, die Einrichtungen, den Gottesdienst und die inspirierten Schriften vollzieht. Die Apostel haben ihren Nachfolgern, den Bischöfen, und durch diese allen Geschlechtern bis zur Vollendung der Zeiten das weitergegeben, was sie von Christus empfangen und vom Heiligen Geist gelernt haben.

 

13. Auf welche Weisen geschieht die apostolische Überlieferung?

76

Die apostolische Überlieferung geschieht auf zwei Weisen: durch die lebendige Weitergabe des Wortes Gottes (auch einfach Überlieferung genannt) und durch die Heilige Schrift, in der dieselbe Verkündigung des Heils schriftlich festgehalten wurde.

 

14. Welche Beziehung besteht zwischen der Überlieferung und der Heiligen Schrift?

80-82

Die Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil. Beide machen in der Kirche das Mysterium Christi gegenwärtig und fruchtbar und entspringen demselben göttlichen Quell: Sie bilden das eine heilige Glaubensgut, aus dem die Kirche ihre Gewissheit über alle geoffenbarten Wahrheiten schöpft.

 

15. Wem ist das Glaubensgut anvertraut?

84, 91-
94, 99

Das Glaubensgut ist von den Aposteln der Kirche als Ganzer anvertraut. Unterstützt durch den Heiligen Geist und geführt vom Lehramt der Kirche, nimmt das ganze Volk Gottes mit seinem übernatürlichen Glaubenssinn die göttliche Offenbarung auf, versteht sie immer besser und wendet sie auf das Leben an.

 

16. Wem steht es zu, das Glaubensgut verbindlich auszulegen?

85-90

Die verbindliche Auslegung des Glaubensgutes obliegt allein dem lebendigen Lehramt der Kirche, das heißt dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom, und den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm. Dem Lehramt, das im Dienst des Wortes Gottes das sichere Charisma der Wahrheit besitzt, steht es auch zu, Dogmen zu definieren: Das sind Formulierungen von Wahrheiten, die in der göttlichen Offenbarung enthalten sind. Diese Autorität erstreckt sich auch auf Wahrheiten, die mit der Offenbarung in einem notwendigen Zusammenhang stehen.

 

17. Welche Beziehung besteht zwischen Schrift, Überlieferung und Lehramt?

95

Sie sind so eng miteinander verknüpft, dass keines von ihnen ohne die anderen besteht. Gemeinsam tragen sie, jedes auf seine Weise, unter dem Einfluss des Heiligen Geistes wirksam zum Heil der Menschen bei.

 

Die Heilige Schrift

 

18. Warum lehrt die Heilige Schrift die Wahrheit?

101-102
105-108

Weil Gott selbst ihr Urheber ist: Die Heilige Schrift wird darum als inspiriert bezeichnet und lehrt ohne Irrtum jene Wahrheiten, die zu unserem Heil notwendig sind. Der Heilige Geist inspirierte nämlich die menschlichen Verfasser, die das aufgezeichnet haben, was er uns lehren wollte. Der christliche Glaube ist jedoch nicht eine „Buchreligion“, sondern die Religion des Wortes Gottes, „nicht eines schriftlichen, stummen Wortes, sondern des Mensch gewordenen, lebendigen Wortes“ (hl. Bernhard von Clairvaux).

 

19. Wie ist die Heilige Schrift zu lesen?

109-119

Die Heilige Schrift muss mit Hilfe des Heiligen Geistes und unter Anleitung des Lehramtes der Kirche gemäß den folgenden drei Kriterien gelesen und ausgelegt werden: 1) auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achten; 2) die Schrift in der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche lesen; 3) auf die Analogie des Glaubens achten, das heißt auf den Zusammenhang der Glaubenswahrheiten untereinander.

 

20. Was ist der Schriftkanon?

120

Der Schriftkanon ist die vollständige Liste der heiligen Schriften, welche die apostolische Überlieferung die Kirche unterscheiden ließ. Dieser Kanon umfasst 46 Schriften des Alten und 27 Schriften des Neuen Testaments.

 

21. Welche Bedeutung hat das Alte Testament für die Christen?

121-123

Die Christen verehren das Alte Testament als wahres Wort Gottes: Alle seine Schriften sind von Gott inspiriert und behalten einen dauernden Wert. Sie zeugen von der göttlichen Erziehungskunst der heilschaffenden Liebe Gottes. Sie wurden vor allem geschrieben, um die Ankunft Christi, des Erlösers der Welt, vorzubereiten.

 

22. Welche Bedeutung hat das Neue Testament für die Christen?

124-127

Das Neue Testament, dessen zentrales Thema Jesus Christus ist, bietet uns die endgültige Wahrheit der göttlichen Offenbarung. Die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die das Hauptzeugnis für das Leben und die Lehre Jesu sind, bilden darin das Herzstück aller Schriften und nehmen in der Kirche eine einzigartige Stellung ein.

 

23. Welche Einheit besteht zwischen dem Alten und dem Neuen Testament?

128-130

Die Schrift ist eine einzige, weil es nur ein Wort Gottes, nur einen Heilsplan Gottes und nur eine göttliche Inspiration beider Testamente gibt. Das Alte Testament bereitet das Neue vor, und das Neue vollendet das Alte: Beide erhellen einander.

 

24. Welche Rolle spielt die Heilige Schrift im Leben der Kirche?

103-104
131-133

Die Heilige Schrift gibt dem Leben der Kirche Stütze und Kraft. Für die Kinder der Kirche ist sie Glaubensstärke, Speise und Quelle des geistlichen Lebens. Sie ist die Seele der Theologie und der pastoralen Verkündigung. Der Psalmist sagt: „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“ (Ps 119, 105). Darum ermahnt die Kirche zu häufiger Lesung der Heiligen Schrift. „Unkenntnis der Schriften ist nämlich Unkenntnis Christi“ (hl. Hieronymus).

 

DRITTES KAPITEL

Die Antwort des Menschen an Gott

 

Ich glaube

 

25. Wie antwortet der Mensch auf den sich offenbarenden Gott?

142-143

Der Mensch antwortet, unterstützt durch die göttliche Gnade, mit dem Glaubensgehorsam. Dieser besteht darin, sich Gott völlig anzuvertrauen und seine Wahrheit anzunehmen, weil sie von ihm, der Wahrheit selbst, verbürgt ist.

 

26. Welches sind die Hauptzeugen des Glaubensgehorsams in der Heiligen Schrift?

144-149

Es gibt viele Zeugen, besonders aber zwei: Abraham, der „Gott glaubte“ (Röm 4, 3), als er auf die Probe gestellt wurde, und immer seinem Ruf gehorchte, und deshalb zum „Vater aller, die ... glauben“, geworden ist (Röm 4, 11.18); und die Jungfrau Maria, die während ihres ganzen Lebens den Glaubensgehorsam in vollkommenster Weise verwirklichte: „Fiat mihi secundum Verbum tuum – Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1, 38).

 

27. Was bedeutet es für den Menschen, an Gott zu glauben?

150-152

Es bedeutet, sich an Gott selbst zu binden, sich ihm anzuvertrauen und allen von ihm geoffenbarten Wahrheiten zuzustimmen, denn Gott ist die Wahrheit. Es bedeutet, an einen einzigen Gott in drei Personen zu glauben: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

 

28. Welche Merkmale hat der Glaube?

153-165
179-180

Der Glaube, ein ungeschuldetes Geschenk Gottes, ist allen zugänglich, die demütig darum bitten. Er ist die übernatürliche Tugend, die notwendig ist, um zum Heil zu gelangen. Der Glaubensakt ist ein menschlicher Akt, das heißt ein Akt des menschlichen Verstandes, der auf Geheiß des von Gott bewegten Willens der göttlichen Wahrheit freiwillig beistimmt. Außerdem ist der Glaube gewiss, denn er gründet auf dem Wort Gottes; er ist wirksam „in der Liebe“ (Gal 5, 6); er wächst unaufhörlich durch das Hören des Wortes Gottes und durch das Gebet. Er ist schon jetzt ein Vorgeschmack der himmlischen Freude.

 

29. Warum gibt es zwischen Glaube und Wissenschaft keine Widersprüche?

159

Auch wenn der Glaube über der Vernunft steht, so kann es doch niemals einen Widerspruch zwischen Glaube und Wissenschaft geben, denn beide haben ihren Ursprung in Gott. Es ist derselbe Gott, der dem Menschen sowohl das Licht der Vernunft als auch den Glauben schenkt.

„Ich glaube, um zu verstehen, und ich verstehe, um zu glauben“ (hl. Augustinus).

 

Wir glauben

 

30. Warum ist der Glaube ein persönlicher und zugleich ein kirchlicher Akt?

166-169

Der Glaube ist ein persönlicher Akt, weil er die freie Antwort des Menschen auf den sich offenbarenden Gott ist. Aber zugleich ist er ein kirchlicher Akt, der sich im Bekenntnis ausdrückt: „Wir glauben“. Es ist nämlich die Kirche, die glaubt: Sie geht so durch die Gnade des Heiligen Geistes dem Glauben des einzelnen Christen voraus, zeugt und nährt ihn. Darum ist die Kirche Mutter und Lehrmeisterin.

„Niemand kann Gott zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat“ (hl. Cyprian).

31. Warum sind die Glaubensformeln wichtig?

170-171

Die Glaubensformeln sind wichtig, weil sie durch die Verwendung einer gemeinsamen Sprache möglich machen, die Wahrheiten des Glaubens zusammen mit anderen auszudrücken, sich anzueignen, zu feiern und zu teilen.

 

32. Inwiefern gibt es nur einen Glauben der Kirche?

172-175

Obwohl die Kirche aus Menschen besteht, die sich in Sprache, Kultur und Riten voneinander unterscheiden, bekennt sie mit einmütiger Stimme den einzigen Glauben, den sie vom einen Herrn empfangen hat und der durch die eine apostolische Überlieferung weitergegeben wird. Sie bekennt einen einzigen Gott – den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist – und verweist auf einen einzigen Weg zum Heil. Darum glauben wir mit einem Herzen und einer Seele, was im überlieferten oder geschriebenen Wort Gottes enthalten ist und von der Kirche als von Gott geoffenbart vorgelegt wird.

ZWEITER ABSCHNITT

DAS CHRISTLICHE
GLAUBENSBEKENNTNIS

DAS CREDO

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,

und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn,
unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.

Amen.

 

Symbolum Apostolicum

Credo in Deum
Patrem omnipotentem,
Creatorem cæli et terræ,

et in Iesum Christum,
Filium Eius unicum,
Dominum nostrum,
qui conceptus est de Spiritu Sancto,
natus ex Maria Virgine,
passus sub Pontio Pilato,
crucifixus, mortuus, et sepultus,
descendit ad inferos,
tertia die resurrexit a mortuis,
ascendit ad cælos,
sedet ad dexteram Dei Patris omnipotentis,
inde venturus est
iudicare vivos et mortuos.

Et in Spiritum Sanctum,
sanctam Ecclesiam catholicam,
sanctorum communionem,
remissionem peccatorum,
carnis resurrectionem,
vitam æternam.

Amen.

 

Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel

Ich glaube an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat, Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott, Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserem Heil
ist er vom Himmel herabgekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria
und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn
angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,

und die eine, heilige, katholische
und apostolische Kirche.

Ich bekenne die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.

Ich erwarte die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

 

Symbolum Nicaenum-Constantinopolitanum

Credo in unum Deum,
Patrem omnipotentem,
Factorem cæli et terræ,
visibilium omnium et invisibilium.

Et in unum Dominum Iesum Christum,
Filium Dei unigenitum
et ex Patre natum ante omnia sæcula:
Deum de Deo, Lumen de Lumine,
Deum verum de Deo vero,
genitum, non factum, consubstantialem Patri;
per quem omnia facta sunt;
qui propter nos homines et propter nostram salutem,
descendit de cælis,
et incarnatus est de Spiritu Sancto
ex Maria Virgine
et homo factus est,
crucifixus etiam pro nobis sub Pontio Pilato,
passus et sepultus est,
et resurrexit tertia die secundum Scripturas,
et ascendit in cælum,
sedet ad dexteram Patris,
et iterum venturus est cum gloria,
iudicare vivos et mortuos,
cuius regni non erit finis.

Credo in Spiritum Sanctum,
Dominum et vivificantem,
qui ex Patre Filioque procedit,
qui cum Patre et Filio
simul adoratur et conglorificatur,
qui locutus est per Prophetas.

Et unam sanctam catholicam
et apostolicam Ecclesiam.

Confiteor unum Baptisma in remissionem peccatorum.

Et exspecto resurrectionem mortuorum,
et vitam venturi sæculi.

Amen.

 

  

ERSTES KAPITEL

Ich glaube an Gott, den Vater

Die Glaubensbekenntnisse

 

33. Was sind Glaubensbekenntnisse?

185-188
192, 197

Es sind gegliederte Formeln, die auch „Glaubenssymbola“ oder „Credo“ genannt werden. Mit diesen Formeln hat die Kirche ihren Glauben von Anfang an in einer verbindlichen, allen Gläubigen gemeinsamen Sprache zusammenfassend ausgedrückt und weitergegeben.

 

34. Welche Glaubensbekenntnisse sind am ältesten?

189-191

Am ältesten sind die Taufbekenntnisse. Weil die Taufe im „Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28, 19) gespendet wird, sind die Glaubenswahrheiten, zu denen sich die Täuflinge bekennen, nach ihrem Bezug auf die drei Personen der heiligsten Dreifaltigkeit gegliedert.

 

35. Welche Glaubensbekenntnisse sind am wichtigsten?

193-196

Am wichtigsten sind das Apostolische Glaubensbekenntnis, das alte Taufbekenntnis der Kirche von Rom, und das Nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis, das aus den beiden ersten Ökumenischen Konzilien von Nizäa (325) und Konstantinopel (381) hervorging und noch heute allen großen Kirchen des Ostens und des Westens gemeinsam ist.

 

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde“

 

36. Warum beginnt das Glaubensbekenntnis mit „Ich glaube an Gott“?

198-199

Weil die Aussage „Ich glaube an Gott“ die grundlegendste ist, die Quelle aller anderen Wahrheiten über den Menschen und über die Welt, die Quelle des ganzen Lebens eines jeden, der an ihn glaubt.

 

37. Warum bekennen wir den einen Gott?

200-202
228

Weil er sich dem Volk Israel als der Eine geoffenbart hat, als es sagte: „Höre, Israel! Der Herr ist einzig“ (Dtn 6, 4); „ich bin Gott, und sonst niemand“ (Jes 45, 22). Jesus selbst hat dies bekräftigt: Gott ist „der einzige Herr“ (Mk 12, 29). Das Bekenntnis, dass Jesus und der Heilige Geist ebenfalls Gott und Herr sind, bringt in den einzigen Gott keine Spaltung.

 

38. Mit welchem Namen offenbart sich Gott?

203-205

Gott offenbart sich Mose als der lebendige Gott, „der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“ (Ex 3, 6). Gott offenbart Mose auch seinen geheimnisvollen Namen: „Ich bin der Ich-bin (JHWH)“. Der unaussprechliche Name Gottes wurde bereits zur Zeit des Alten Testaments durch das Wort Herr ersetzt. So erscheint Jesus im Neuen Testament, wenn er Herr genannt wird, als wahrer Gott.

 

39. „Ist“ nur Gott?

212-213

Während die Geschöpfe alles, was sie sind und haben, von Gott empfangen haben, ist Gott allein in sich selbst die Fülle des Seins und jeglicher Vollkommenheit. Er ist der „Er-ist“, ohne Ursprung und ohne Ende. Jesus offenbart, dass auch er den göttlichen Namen trägt: „Ich bin“ (Joh 8, 28).

 

40. Warum ist die Offenbarung des Namens Gottes wichtig?

206-213

Indem Gott seinen Namen offenbart, macht er die Reichtümer bekannt, die in seinem unaussprechlichen Geheimnis enthalten sind: Er allein ist von jeher und für immer derjenige, der über Welt und Geschichte erhaben ist. Er hat Himmel und Erde geschaffen. Er ist der treue Gott, der seinem Volk immer nahe ist, um es zu retten. Er ist der Heilige schlechthin, „voll Erbarmen“ (Eph 2, 4) und stets bereit, zu verzeihen. Er ist das geistige, erhabene, allmächtige, ewige, personale, vollkommene Wesen. Er ist Wahrheit und Liebe.

Gott ist das unendlich vollkommene Wesen, die heiligste Dreifaltigkeit (hl. Turibius von Mogrovejo).

41. In welchem Sinn ist Gott die Wahrheit?

214-217

Gott ist die Wahrheit selbst, und als solcher täuscht er sich nicht und kann andere nicht täuschen. Er „ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm“ (1 Joh 1, 5). Der ewige Sohn Gottes, die Mensch gewordene Weisheit, wurde in die Welt gesandt, damit er „für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Joh 18, 37).

 

42. Wie offenbart Gott, dass er Liebe ist?

218-221

Gott offenbart sich Israel als derjenige, dessen Liebe größer ist als die eines Vaters oder die einer Mutter zu ihren Kindern oder die eines Bräutigams zu seiner Braut. Er ist in sich selbst „die Liebe“ (1 Joh 4, 8.16), die sich vollkommen und ungeschuldet verschenkt. Er „hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh 3, 16–17). Durch die Sendung seines Sohnes und des Heiligen Geistes offenbart Gott, dass er selbst ewiger Liebesaustausch ist.

 

43. Was verlangt der Glaube an den einen Gott?

222-227

Der Glaube an Gott, den Einzigen, verlangt: um seine Größe und Majestät wissen; in Danksagung leben; immer auf ihn vertrauen, selbst in Widerwärtigkeiten; die Einheit und die wahre Würde aller Menschen erkennen, die nach seinem Bilde erschaffen sind; die von ihm geschaffenen Dinge in rechter Weise gebrauchen.

 

44. Welches ist das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens?

232-236

Das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens und Lebens ist das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit. Die Christen werden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft.

 

45. Kann das Mysterium der heiligsten Dreifaltigkeit mit der menschlichen Vernunft allein erkannt werden?

237

Gott hat in der Schöpfung und im Alten Testament Spuren seines dreifaltigen Wesens hinterlassen, aber sein innerstes Wesen als heilige Dreifaltigkeit stellt ein Geheimnis dar, das der menschlichen Vernunft allein nicht zugänglich ist und vor der Menschwerdung des Sohnes Gottes und der Sendung des Heiligen Geistes auch dem Glauben Israels unzugänglich war. Dieses Mysterium wurde von Jesus Christus geoffenbart und ist der Urquell aller anderen Mysterien.

 

46. Was offenbart uns Jesus Christus vom Mysterium des Vaters?

238-242

Jesus Christus offenbart uns, dass Gott „Vater“ ist: nicht nur als Schöpfer der Welt und des Menschen, sondern vor allem, weil er von Ewigkeit her in seinem Innern den Sohn zeugt, der sein Wort ist, „der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens“ (Hebr 1, 3).

 

47. Wer ist der Heilige Geist, der uns von Jesus Christus geoffenbart worden ist?

243-248

Er ist die dritte Person der heiligsten Dreifaltigkeit. Er ist ein und derselbe Gott mit dem Vater und dem Sohn. Er „geht vom Vater aus“ (Joh 15, 26), der als Anfang ohne Anfang der Ursprung des gesamten Lebens der Dreifaltigkeit ist. Er geht auch aus dem Sohn hervor (Filioque), weil der Vater ihn dem Sohn als ewiges Geschenk mitteilt. Vom Vater und vom Mensch gewordenen Sohn gesandt, führt der Heilige Geist die Kirche „in die ganze Wahrheit“ (Joh 16, 13).

 

48. Wie drückt die Kirche ihren Glauben an die Dreifaltigkeit aus?

249-256

Die Kirche drückt ihren Glauben an die Dreifaltigkeit aus, indem sie einen einzigen Gott in drei Personen bekennt: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die drei göttlichen Personen sind ein einziger Gott, denn jede von ihnen ist mit der Fülle der einzigen und unteilbaren göttlichen Natur identisch. Sie sind real voneinander verschieden durch die gegenseitigen Beziehungen: Der Vater zeugt den Sohn, der Sohn wird vom Vater gezeugt, der Heilige Geist geht aus dem Vater und dem Sohn hervor.

 

49. Wie wirken die drei göttlichen Personen?

257-260

Unzertrennlich in ihrem einen Wesen, sind die göttlichen Personen auch unzertrennlich in ihrem Tun: Die Dreifaltigkeit hat nur ein und dasselbe Wirken. Doch in dem einen göttlichen Tun wirkt jede Person so, wie es ihrer Eigenart in der Dreifaltigkeit entspricht.

O mein Gott, Dreifaltiger, den ich anbete ... Stille meine Seele, bilde deinen Himmel aus ihr, deine geliebte Bleibe und den Ort deiner Ruhe. Nie will ich dort dich allein lassen, sondern als Ganze anwesend sein, ganz wach im Glauben, ganz Anbetung, ganz Hingabe an dein erschaffendes Wirken“ (sel. Elisabeth von der Dreifaltigkeit).

50. Was bedeutet es, dass Gott allmächtig ist?

268-278

Gott hat sich als „stark und gewaltig“ (Ps 24, 8) geoffenbart, als derjenige, für den „nichts unmöglich“ ist (Lk 1, 37). Seine Allmacht erstreckt sich auf alles und ist geheimnisvoll. Sie zeigt sich in der Erschaffung der Welt aus dem Nichts und in der Erschaffung des Menschen aus Liebe, vor allem aber in der Menschwerdung und in der Auferstehung seines Sohnes, im Geschenk unserer Annahme an Kindes Statt und in der Vergebung der Sünden. Deshalb richtet die Kirche ihr Gebet an den „allmächtigen, ewigen Gott“ („Omnipotens sempiterne Deus ...“).

 

51. Warum ist es wichtig zu bekräftigen: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (Gen 1, 1)?

279-289

Weil die Schöpfung die Grundlage aller göttlichen Heilspläne ist. Sie zeigt die allmächtige und weise Liebe Gottes. Sie ist der erste Schritt zum Bund des einen Gottes mit seinem Volk. Sie ist der Anfang der Heilsgeschichte, die in Christus gipfelt. Sie ist eine erste Antwort auf die Grundfragen des Menschen nach seinem Ursprung und seinem Ziel.

 

52. Wer hat die Welt erschaffen?

290-292

Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind der einzige und unzertrennliche Ursprung der Welt, auch wenn das Werk der Erschaffung der Welt insbesondere Gott Vater zugeschrieben wird.

 

53. Wozu ist die Welt erschaffen worden?

293-294

Die Welt wurde zur Ehre Gottes erschaffen, der seine Güte, Wahrheit und Schönheit zeigen und mitteilen wollte. Das letzte Ziel der Schöpfung ist es, dass Gott in Christus „alles in allem“ (1 Kor 15, 28) sein wird, zu seiner Ehre und zu unserer Seligkeit.

„Gottes Ruhm ist der lebendige Mensch; das Leben des Menschen aber ist die Anschauung Gottes“ (hl. Irenäus).

54. Wie hat Gott die Welt erschaffen?

295-301
317-318

Gott hat die Welt mit Weisheit und Liebe aus freiem Willen erschaffen. Die Welt ist nicht das Ergebnis einer Notwendigkeit, eines blinden Schicksals oder des Zufalls. Gott hat „aus dem Nichts“ („ex nihilo“) (2 Makk 7, 28) eine geordnete und gute Welt erschaffen, über die er unendlich erhaben ist. Durch seinen Sohn und den Heiligen Geist erhält er seine Schöpfung im Sein und trägt sie, gibt ihr die Möglichkeit zu wirken und führt sie zur Vollendung.

 

55. Worin besteht die göttliche Vorsehung?

302-306

Sie besteht in den Fügungen, durch die Gott seine Geschöpfe zu der letzten Vollkommenheit führt, zu der er sie berufen hat. Gott ist der souveräne Urheber seines Ratschlusses. Um diesen Plan auszuführen, bedient er sich aber auch der Mitwirkung seiner Geschöpfe. Zugleich gibt er den Geschöpfen die Würde, selbst zu handeln und Ursache voneinander zu sein.

 

56. Wie wirkt der Mensch mit der göttlichen Vorsehung zusammen?

307-308

Gott gewährt dem Menschen und verlangt von ihm, in Freiheit durch seine Taten, seine Gebete, aber auch durch sein Leiden mit ihm zusammen zu wirken. Er ist es, der in ihm „das Wollen und das Vollbringen bewirkt, nach seinem Wohlgefallen“ (Phil 2, 13).

 

57. Wenn Gott allmächtig ist und für alles sorgt, warum gibt es dann das Böse?

309-310

Auf diese schmerzliche und auch geheimnisvolle Frage kann nur der christliche Glaube als Ganzer eine Antwort geben. Gott ist auf keine Weise, weder direkt noch indirekt, die Ursache des moralischen Übels. Er erhellt das Mysterium des Bösen durch seinen Sohn Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist, um das große moralische Übel zu besiegen, das die Sünde der Menschen ist und das die Wurzel der anderen Übel darstellt.

 

58. Warum lässt Gott das Böse zu?

311-314

Der Glaube gibt uns die Gewissheit, dass Gott das Böse nicht zuließe, wenn er nicht sogar aus dem Bösen etwas Gutes hervorgehen ließe. Auf wunderbare Weise hat Gott dies bereits im Tod und in der Auferstehung Christi verwirklicht: Aus dem schlimmsten moralischen Übel, der Ermordung seines Sohnes, hat er das größte aller Güter gemacht: die Verherrlichung Christi und unsere Erlösung.

Himmel und Erde

 

59. Was hat Gott erschaffen?

325-327

Die Heilige Schrift sagt: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (Gen 1, 1). Die Kirche verkündet in ihrem Glaubensbekenntnis, dass Gott der Schöpfer der sichtbaren und der unsichtbaren Welt ist: aller geistigen und körperlichen Wesen, das heißt der Engel und der sichtbaren Welt und insbesondere des Menschen.

 

60. Wer sind die Engel?

328-333

Die Engel sind rein geistige, körperlose, unsichtbare und unsterbliche Geschöpfe, sie sind mit Verstand und Willen begabte personale Wesen. Sie schauen Gott unablässig von Angesicht zu Angesicht, verherrlichen ihn, dienen ihm und sind seine Boten bei der Erfüllung der Heilssendung für alle Menschen.

 

61. Wie sind die Engel im Leben der Kirche gegenwärtig?

334-336

Die Kirche vereint sich mit den Engeln, um Gott anzubeten, sie bittet um ihren Beistand und feiert liturgisch das Gedächtnis einiger Engel.

„Jedem Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen“ (hl. Basilius der Große).

62. Was lehrt die Heilige Schrift in Bezug auf die Erschaffung der sichtbaren Welt?

337-341

Durch die Erzählung der „sechs Tage“ der Schöpfung lässt uns die Heilige Schrift den Wert des Geschaffenen und seine Hinordnung auf das Lob Gottes und den Dienst am Menschen erkennen. Alle Dinge verdanken ihr Dasein Gott, von dem sie ihre eigene Güte und Vollkommenheit, ihre eigenen Gesetze und ihren Platz in der Welt empfangen.

 

63. Welche Stellung hat der Mensch in der Schöpfung?

343-344

Der Mensch ist der Gipfel der sichtbaren Schöpfung, da er nach Gottes Bild und Ähnlichkeit erschaffen wurde.

 

64. Welche Art von Beziehung besteht unter den Geschöpfen?

342, 354

Unter den Geschöpfen gibt es eine gottgewollte gegenseitige Abhängigkeit und Rangordnung. Zugleich besteht zwischen den Geschöpfen eine Einheit und Solidarität. Denn sie alle haben den gleichen Schöpfer, werden von ihm geliebt und sind auf seine Herrlichkeit hingeordnet. Die in die Schöpfung eingeschriebenen Gesetze und die Beziehungen zu achten, die sich aus der Natur der Dinge ergeben, ist folglich ein Grundsatz der Weisheit und eine Grundlage der Sittlichkeit.

 

65. Welches Verhältnis besteht zwischen dem Schöpfungs- und dem Erlösungswerk?

345-349

Das Werk der Schöpfung gipfelt im noch größeren Werk der Erlösung. Mit dem Erlösungswerk beginnt nämlich die Neuschöpfung, in der alles seinen letzten Sinn und seine Vollendung finden wird.

 

Der Mensch

 

66. In welchem Sinn ist der Mensch „nach dem Bilde Gottes“ geschaffen?

355-357

Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen, insofern er fähig ist, seinen Schöpfer in Freiheit zu erkennen und zu lieben. Er ist auf Erden das einzige Geschöpf, das Gott um seiner selbst willen gewollt und das er berufen hat, in Erkenntnis und Liebe an seinem göttlichen Leben teilzuhaben. Weil der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, hat er die Würde einer Person: Er ist nicht bloß etwas, sondern jemand. Er ist imstande, sich zu erkennen, sich in Freiheit hinzugeben und in Gemeinschaft mit Gott und anderen Personen zu treten.

 

67. Wozu hat Gott den Menschen erschaffen?

358-359

Gott hat alles für den Menschen erschaffen. Aber der Mensch selbst ist erschaffen, um Gott zu erkennen, ihm zu dienen und ihn zu lieben, um ihm in dieser Welt in Danksagung die ganze Schöpfung darzubringen und zum Leben mit Gott im Himmel erhoben zu werden. Nur im Geheimnis des Fleisch gewordenen Wortes klärt sich das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf. Dieser ist vorherbestimmt, das Bild des Mensch gewordenen Gottessohnes treu wiederzugeben, der das vollkommene „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1, 15) ist.

 

68. Warum bilden die Menschen eine Einheit?

360-361

Alle Menschen bilden die Einheit des Menschengeschlechts, weil sie ihren gemeinsamen Ursprung aus Gott haben. Gott hat außerdem „aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen“ (Apg 17, 26). Alle haben schließlich einen einzigen Retter und sind berufen, an der ewigen Seligkeit Gottes teilzuhaben.

 

69. Wie bilden im Menschen Seele und Leib eine Einheit?

362-365

Die menschliche Person ist ein körperliches und zugleich geistiges Wesen. Im Menschen bilden Geist und Materie eine einzige Natur. Diese Einheit ist so tief, dass der aus Materie gebildete Leib aufgrund des geistigen Prinzips, der Seele, ein lebendiger menschlicher Leib wird und an der Würde des Seins „nach dem Bilde Gottes“ teilhat.

 

70. Wer gibt dem Menschen die Seele?

366-368

Die Geistseele kommt nicht von den Eltern, sondern ist unmittelbar von Gott geschaffen; sie ist unsterblich. Sie geht nicht zugrunde, wenn sie sich im Tod vom Leibe trennt, und sie wird sich bei der Auferstehung von neuem mit dem Leib vereinen.

 

71. Welche Beziehung hat Gott zwischen Mann und Frau festgesetzt?

369-373

Von Gott erschaffen, haben Mann und Frau die gleiche Würde als menschliche Personen, zugleich ergänzen sie einander in ihrem Mannsein und Frausein. Gott hat sie füreinander gewollt, als eine Gemeinschaft von Personen. Zusammen sind sie auch berufen, das menschliche Leben weiterzugeben, indem sie in der Ehe „ein Fleisch“ (Gen 2, 24) werden. Als „Verwalter“ Gottes sollen sie sich die Erde unterwerfen.

 

72. Welches war nach Gottes Plan die ursprüngliche Lage des Menschen?

374-379

Gott hatte dem Mann und der Frau bei ihrer Erschaffung eine besondere Teilhabe an seinem göttlichen Leben in Heiligkeit und Gerechtigkeit gewährt. Nach dem Plan Gottes hätte der Mensch weder leiden noch sterben müssen. Außerdem herrschte eine vollkommene Harmonie im Menschen selbst, zwischen Geschöpf und Schöpfer, zwischen Mann und Frau sowie zwischen dem ersten Menschenpaar und der ganzen Schöpfung.

 

Der Sündenfall

 

73. Wie ist die Wirklichkeit der Sünde zu verstehen?

385-390

In der Geschichte des Menschen ist die Sünde gegenwärtig. Voll zeigt sich diese Wirklichkeit erst im Licht der göttlichen Offenbarung, und vor allem im Licht Christi, des Retters aller Menschen. Er hat dort, wo die Sünde mächtig wurde, die Gnade übergroß werden lassen.

 

74. Was ist der Fall der Engel?

391-395

Mit dieser Bezeichnung wird ausgedrückt, dass Satan und die anderen Dämonen, von denen die Heilige Schrift und die Überlieferung der Kirche sprechen, von Gott erschaffene gute Engel waren, die aber böse wurden, weil sie in freier und unwiderruflicher Wahl Gott und sein Reich zurückgewiesen und damit die Hölle verursacht haben. Sie suchen den Menschen in ihren Aufstand gegen Gott hineinzuziehen. Aber in Christus bestätigt Gott seinen sicheren Sieg über den Bösen.

 

75. Worin besteht die erste Sünde des Menschen?

396-403

Vom Teufel versucht, ließ der Mensch in seinem Herzen das Vertrauen zu seinem Schöpfer sterben. Im Ungehorsam gegen ihn wollte er „wie Gott“ sein (Gen 3, 5), aber ohne Gott und nicht Gott gemäß. Damit verloren Adam und Eva sogleich für sich und für alle ihre Nachkommen die ursprüngliche Gnade der Heiligkeit und Gerechtigkeit.

 

76. Was ist die Erbsünde?

404, 419

Die Erbsünde, in der alle Menschen geboren werden, ist der Zustand des Mangels an der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit. Sie ist eine Sünde, die wir „miterhalten“, nicht aber „begangen“ haben. Sie ist ein Zustand von Geburt an, nicht eine persönliche Tat. Wegen der Einheit des Ursprungs aller Menschen überträgt sie sich auf die Nachkommen Adams mit der menschlichen Natur, „nicht durch Nachahmung, sondern durch Fortpflanzung“. Diese Weitergabe ist ein Geheimnis, das wir nicht völlig verstehen können.

 

77. Welche weiteren Folgen verursacht die Erbsünde?

405-409

Infolge der Erbsünde ist die menschliche Natur zwar nicht durch und durch verdorben, aber in ihren natürlichen Kräften verletzt, der Unwissenheit, dem Leiden und der Herrschaft des Todes unterworfen und zur Sünde geneigt. Diese Neigung heißt Konkupiszenz.

 

78. Was hat Gott nach der ersten Sünde getan?

410-412

Nach der ersten Sünde wurde die Welt von Sünden überflutet. Doch Gott hat den Menschen nicht der Macht des Todes überlassen. Im Gegenteil: Er hat ihm auf geheimnisvolle Weise – im „Protoevangelium“ (Gen 3, 15) – den Sieg über das Böse und die Erhebung aus seinem Fall vorausgesagt. Dies ist die erste Ankündigung des erlösenden Messias. Darum wird die erste Sünde sogar „glückliche Schuld“ genannt, weil sie „einen solchen großen Erlöser zu haben verdient hat“ (Liturgie der Osternacht).

 

ZWEITES KAPITEL

Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn

 

79. Welches ist die frohe Botschaft für den Menschen?

422-424

Die frohe Botschaft ist die Verkündigung von Jesus Christus, dem „Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16, 16), der gestorben und auferstanden ist. Zur Zeit des Königs Herodes und des Kaisers Augustus erfüllte Gott die Verheißungen, die er Abraham und seinen Nachkommen gegeben hatte, und sandte „seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen“ (Gal 4, 4–5).

 

80. Wie wird diese frohe Botschaft verbreitet?

425-429

Von Anfang an hatten die ersten Jünger das brennende Verlangen, Jesus Christus zu verkünden, um alle zum Glauben an ihn zu führen. Auch heute weckt die liebende Erkenntnis Christi das Verlangen, zu evangelisieren und Katechese zu geben, das heißt in seiner Person den ganzen Plan Gottes zu enthüllen und die Menschen zur Gemeinschaft mit ihm zu führen.

 

„Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn“

 

81. Was bedeutet der Name „Jesus“?

430-435

Der Name, der Jesus bei der Verkündigung vom Engel gegeben wurde, bedeutet „Gott rettet“. Dieser Name besagt, wer Jesus ist und wozu er gesandt ist, „denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1, 21). Petrus erklärt: „Es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apg 4, 12).

 

82. Warum wird Jesus „Christus“ genannt?

436-440

„Christus“ im Griechischen und „Messias“ im Hebräischen bedeuten „Gesalbter“. Jesus ist der Christus, weil er von Gott geweiht und für seine Sendung als Erlöser mit dem Heiligen Geist gesalbt worden ist. Er ist der von Israel erwartete Messias, der vom Vater in die Welt gesandt wurde. Jesus hat den Titel Messias gelten lassen, aber seinen Sinn genauer geklärt: „Vom Himmel herabgestiegen“ (Joh 3, 13), gekreuzigt und dann auferstanden, ist er der leidende Gottesknecht, der sein Leben hingibt „als Lösegeld für viele“ (Mt 20, 28). Vom Namen Christus haben wir unseren Namen Christen.

 

83. In welchem Sinn ist Jesus „Gottes eingeborener Sohn“?

441-445

Er ist es in einem einzigartigen und vollkommenen Sinn. Bei der Taufe und bei der Verklärung bezeichnet die Stimme des Vaters Jesus als seinen „geliebten Sohn“. Jesus bezeichnet sich als der Sohn, der „den Vater kennt“ (Mt 11, 27), und bekräftigt damit seine einzigartige und ewige Beziehung zu Gott, seinem Vater. Er ist der eingeborene Sohn Gottes (1 Joh 4,9), die zweite Person der Dreifaltigkeit. Er ist das Zentrum der apostolischen Verkündigung: Die Apostel haben „seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater“ (Joh 1, 14).

 

84. Was bedeutet der Titel „Herr“?

446-451

In der Bibel bezeichnet dieser Titel gewöhnlich Gott, den Herrscher. Jesus nimmt ihn für sich in Anspruch und offenbart seine göttliche Herrschergewalt durch seine Macht über die Natur, die Dämonen, die Sünde und den Tod und vor allem durch seine Auferstehung. Die ersten christlichen Bekenntnisse erklären, dass die Macht, die Ehre und die Herrlichkeit, die Gott Vater gebühren, auch Jesus zukommen: Gott hat „ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen“ (Phil 2, 9). Er ist der Herr der Welt und der Geschichte, der Einzige, dem der Mensch seine personale Freiheit ganz unterwerfen darf.

 

„Jesus Christus ... empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria“

 

85. Warum ist der Sohn Gottes Mensch geworden?

456-460

Für uns Menschen und zu unserem Heil hat der Sohn Gottes durch das Wirken des Heiligen Geistes im Schoß der Jungfrau Maria Fleisch angenommen. Er wollte uns Sünder mit Gott versöhnen, uns seine unendliche Liebe kundtun, für uns Vorbild der Heiligkeit sein und uns „an der göttlichen Natur Anteil“ (2 Petr 1, 4) geben.

 

86. Was bedeutet das Wort „Inkarnation“?

461-463

„Inkarnation“ nennt die Kirche das Mysterium der wunderbaren Vereinigung der göttlichen und der menschlichen Natur in der einen göttlichen Person des Wortes. Um unser Heil zu wirken, hat der Sohn Gottes „Fleisch“ angenommen (Joh 1, 14) und ist wahrhaft Mensch geworden. Der Glaube an die Inkarnation ist ein Unterscheidungsmerkmal des christlichen Glaubens.

 

87. In welcher Weise ist Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch?

464-466

Jesus ist untrennbar wahrer Gott und wahrer Mensch in der Einheit seiner göttlichen Person. Er, der Sohn Gottes, „gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“, ist ein wahrer Mensch geworden, unser Bruder, ohne damit aufzuhören, Gott, unser Herr, zu sein.

 

88. Was lehrt in diesem Zusammenhang das Konzil von Chalkedon (451)?

467

Das Konzil von Chalkedon lehrt, „unseren Herrn Jesus Christus als ein und denselben Sohn zu bekennen; derselbe ist vollkommen in der Gottheit, und derselbe ist vollkommen in der Menschheit; derselbe ist wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch aus vernunftbegabter Seele und Leib; derselbe ist der Gottheit nach dem Vater wesensgleich und der Menschheit nach uns wesensgleich, ‚in allem uns gleich außer der Sünde’ (Hebr 4, 15). Derselbe wurde einerseits der Gottheit nach vor den Zeiten aus dem Vater gezeugt, andererseits der Menschheit nach in den letzten Tagen unsertwegen und um unseres Heiles willen aus Maria, der Jungfrau und Gottesgebärerin, geboren.“

 

89. Wie drückt die Kirche das Mysterium der Inkarnation aus?

464-469

Sie drückt es aus, indem sie bekräftigt, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Er hat zwei Naturen, die göttliche und die menschliche, die nicht miteinander vermischt, sondern in der Person des Wortes vereint sind. Alles an der Menschennatur Jesu – Wunder, Leiden und Tod – ist deshalb seiner göttlichen Person zuzuschreiben, die durch die angenommene menschliche Natur handelt.

„O eingeborener Sohn und Wort Gottes, obwohl unsterblich, hast du dich um unseres Heiles willen gewürdigt, Fleisch anzunehmen von der heiligen Gottesmutter und allzeit jungfräulichen Maria ...; du bist Einer der heiligen Dreifaltigkeit, mit dem Vater und dem Heiligen Geist verherrlicht; rette uns!“ (Byzantinische Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus).

90. Hatte der Mensch gewordene Sohn Gottes eine Seele mit einer menschlichen Erkenntnis?

470-474

Der Sohn Gottes hat einen von einer vernunftbegabten menschlichen Seele belebten Leib angenommen. Mit seinem menschlichen Verstand hat Jesus vieles durch Erfahrung gelernt. Doch auch als Mensch hatte der Sohn Gottes eine innige und unmittelbare Kenntnis Gottes, seines Vaters. Er durchschaute auch die geheimen Gedanken der Menschen und wusste voll und ganz um die ewigen Ratschlüsse, die zu enthüllen er gekommen war.

 

91. Wie stimmen der göttliche und der menschliche Wille des Fleisch gewordenen Wortes überein?

475, 482

Jesus hat einen göttlichen Willen und einen menschlichen Willen. Während seines Erdenlebens wollte der Sohn Gottes als Mensch das, was er als Gott zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist zu unserem Heil beschlossen hatte. Der menschliche Wille Christi folgt seinem göttlichen Willen, ohne zu widersprechen und sich zu widersetzen, oder besser, er ordnet sich diesem unter.

 

92. Hatte Christus einen wahren menschlichen Leib?

476-477

Christus hat einen wahren menschlichen Leib angenommen, durch den der unsichtbare Gott sichtbar wurde. Aus diesem Grund kann Christus auf heiligen Bildern dargestellt und verehrt werden.

 

93. Was bedeutet das Herz Jesu?

478

Jesus hat uns mit einem menschlichen Herzen gekannt und geliebt. Sein Herz, das um unseres Heiles willen durchbohrt wurde, ist das Symbol jener unendlichen Liebe, mit der er den Vater und jeden Menschen liebt.

 

94. „Empfangen durch den Heiligen Geist“: Was bedeutet dieser Ausdruck?

484-486

Er bedeutet, dass die Jungfrau Maria den ewigen Sohn durch das Wirken des Heiligen Geistes und ohne Zutun eines Mannes in ihrem Schoß empfangen hat: „Der Heilige Geist wird über dich kommen“ (Lk 1, 35), sagte ihr der Engel bei der Verkündigung.

 

95. „Geboren von der Jungfrau Maria“: Warum ist Maria wirklich die Mutter Gottes?

495, 509

Maria ist wirklich die Mutter Gottes, denn sie ist die Mutter Jesu (Joh 2, 1; 19, 25). Der nämlich, den sie durch den Heiligen Geist empfangen hat und der wirklich ihr Sohn wurde, ist der ewige Sohn Gottes, des Vaters. Er selbst ist Gott.

 

96. Was bedeutet „unbefleckte Empfängnis“?

487-492

Gott hat Maria aus Gnade von aller Ewigkeit her auserwählt, die Mutter seines Sohnes zu werden. Um diese Sendung zu erfüllen, wurde sie unbefleckt empfangen. Das bedeutet, dass Maria durch die Gnade Gottes und im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi von ihrer Empfängnis an vor der Erbsünde bewahrt worden ist.

 

97. Wie wirkt Maria am göttlichen Heilsplan mit?

493-494

Durch die Gnade Gottes ist Maria während ihres ganzen Lebens frei von jeder persönlichen Sünde geblieben. Sie ist die „voll der Gnade“ (Lk 1, 28), die „Ganzheilige“. Als der Engel ihr verkündet, dass sie den „Sohn des Höchsten“ gebären werde (Lk 1, 32), gibt sie im „Gehorsam des Glaubens“ (Röm 1, 5) frei ihre Zustimmung. Sie schenkt sich ganz der Person und dem Werk ihres Sohnes Jesus hin und macht sich aus ganzem Herzen den göttlichen Heilswillen zu eigen.

 

98. Was bedeutet die jungfräuliche Empfängnis Jesu?

496-498

Es bedeutet, dass Jesus einzig durch die Kraft des Heiligen Geistes, ohne Zutun eines Mannes im Schoß der Jungfrau empfangen wurde. Er ist Sohn des himmlischen Vaters der göttlichen Natur nach und Sohn Marias der menschlichen Natur nach, eigentlich jedoch Sohn Gottes in beiden Naturen, da er nur eine einzige Person ist, nämlich die göttliche.

 

99. In welchem Sinn ist Maria „allzeit Jungfrau“?

499-507

In dem Sinn, dass sie „Jungfrau geblieben ist, als sie ihren Sohn empfing, Jungfrau, als sie ihn gebar, Jungfrau, als sie ihn trug, Jungfrau, als sie ihn an ihrer Brust nährte, allzeit Jungfrau“ (hl. Augustinus). Wenn in den Evangelien von „Brüdern und Schwestern Jesu“ die Rede ist, handelt es sich deshalb gemäß einer in der Heiligen Schrift gebräuchlichen Ausdrucksweise um nahe Verwandte Jesu.

 

100. In welcher Weise ist die geistliche Mutterschaft Marias universal?

501-507

Maria hat einen einzigen Sohn, Jesus. Aber in ihm erstreckt sich ihre geistliche Mutterschaft auf alle Menschen, die zu retten er gekommen ist. Gehorsam an der Seite des neuen Adam, Jesus Christus, ist die Jungfrau die neue Eva, die wahre Mutter der Lebenden, bei deren Geburt und Erziehung in der Ordnung der Gnade sie mit mütterlicher Liebe mitwirkt. Als Jungfrau und Mutter ist sie das Inbild der Kirche, ist sie Kirche im Vollsinn.

 

101. In welchem Sinn ist das ganze Leben Christi Mysterium?

512-521

Das ganze Leben Christi ist Offenbarungsgeschehen. Was im irdischen Leben Jesu sichtbar ist, verweist auf sein unsichtbares Mysterium, vor allem auf das Mysterium seiner Gottessohnschaft: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14, 9). Überdies ist das ganze Leben Christi Heilsmysterium, auch wenn das Heil in seiner Fülle vom Kreuz und von der Auferstehung kommt. Alles, was Jesus getan, gesagt und gelitten hat, war nämlich dazu bestimmt, den gefallenen Menschen zu retten und wieder in seine Berufung als Kind Gottes zu versetzen.

 

102. Wie wurden die Mysterien Jesu vorbereitet?

522-524

Zunächst gibt es eine lange, viele Jahrhunderte dauernde Hoffnung, die wir während der liturgischen Feier des Advent wieder aufleben lassen. Über die dunkle Ahnung hinaus, die Gott in das Herz der Heiden legte, hat er das Kommen seines Sohnes vorbereitet durch den Alten Bund bis zu Johannes dem Täufer, dem letzten und größten der Propheten.

 

103. Was lehrt das Evangelium über die Mysterien der Geburt und der Kindheit Jesu?

525-530

An Weihnachten offenbart sich die Herrlichkeit des Himmels in der Schwäche eines Kindes. Die Beschneidung Jesu ist Zeichen seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Volk und Vorzeichen unserer Taufe. Bei der Epiphanie wird der König und Messias Israels allen Völkern geoffenbart. Bei seiner Darstellung im Tempel kommt es in Simeon und Anna zur Begegnung der ganzen Erwartung Israels mit seinem Erlöser. Die Flucht nach Ägypten und die Ermordung der unschuldigen Kinder künden an, dass das ganze Leben Christi unter dem Zeichen der Verfolgung stehen wird. Seine Rückkehr erinnert an den Auszug aus Ägypten und stellt Jesus als den neuen Mose dar: Er ist der wahre und endgültige Befreier.

 

104. Welche Lehre bietet uns das verborgene Leben Jesu in Nazaret?

531-534

Während des verborgenen Lebens in Nazaret verbleibt Jesus im Schweigen eines gewöhnlichen Daseins. So ermöglicht er uns, in der Heiligkeit eines alltäglichen Lebens, das aus Gebet, Einfachheit, Arbeit und familiärer Liebe besteht, in Gemeinschaft mit ihm zu sein. Seine Unterordnung unter Maria und Josef, seinen Pflegevater, ist ein Bild seines Sohnesgehorsams gegenüber dem Vater. Maria und Josef nehmen das Mysterium Jesu im Glauben an, auch wenn sie es nicht immer verstehen.

 

105. Warum empfängt Jesus von Johannes die „Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden“ (Lk 3, 3)?

535-537

Um sein öffentliches Leben zu beginnen und die „Taufe“ seines Todes vorwegzunehmen: Obschon ohne Sünde, lässt er sich so unter die Sünder rechnen, er, „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1, 29). Der Vater bezeichnet ihn als seinen „geliebten Sohn“ (Mt 3, 17), und der Heilige Geist kommt auf ihn herab. Die Taufe Jesu ist das Vorzeichen unserer Taufe.

 

106. Was offenbaren die Versuchungen Jesu in der Wüste?

538-540

Die Versuchungen Jesu in der Wüste greifen die Versuchungen Adams im Paradies und Israels in der Wüste nochmals auf. Satan versucht Jesus in seinem Gehorsam gegenüber der Sendung, die ihm vom Vater anvertraut worden ist. Christus, der neue Adam, hält stand, und sein Sieg kündet den Sieg seiner Passion an, den höchsten Gehorsamserweis seiner Sohnesliebe. Die Kirche vereint sich mit diesem Mysterium besonders in der liturgischen Fastenzeit.

 

107. Wer ist eingeladen, am Reich Gottes teilzuhaben, das Jesus verkündet und verwirklicht hat?

541-546

Jesus lädt alle Menschen zur Teilhabe am Reich Gottes ein. Auch der schlimmste Sünder ist berufen, umzukehren und die unendliche Barmherzigkeit des Vaters anzunehmen. Das Reich Gottes gehört schon hier auf Erden denjenigen, die es mit demütigem Herzen aufnehmen. Ihnen werden seine Geheimnisse offenbart.

 

108. Warum offenbart Jesus das Reich Gottes durch Zeichen und Wunder?

547-550

Jesus begleitet sein Wort durch Zeichen und Wunder, um zu zeigen, dass in ihm, dem Messias, das Reich Gottes gegenwärtig ist. Er heilt zwar einige Menschen, ist aber nicht gekommen, um alle Übel auf Erden zu beheben, sondern um uns vor allem aus der Sklaverei der Sünde zu befreien. Die Austreibung der Dämonen kündigt an, dass sein Kreuz über den „Herrscher dieser Welt“ (Joh 12, 31) siegen wird.

 

109. Welche Autorität verleiht Jesus seinen Aposteln im Gottesreich?

551-553

Jesus erwählt die Zwölf, die zukünftigen Zeugen seiner Auferstehung. Er lässt sie an seiner Sendung und an seiner Autorität teilhaben, damit sie lehren, Sünden vergeben und die Kirche aufbauen und leiten. In diesem Kollegium empfängt Petrus „die Schlüssel des Himmelreiches“ (Mt 16, 19) und steht an erster Stelle. Er hat die Sendung, den Glauben unversehrt zu bewahren und seine Brüder zu stärken.

 

110. Welche Bedeutung hat die Verklärung?

554-556

In der Verklärung erscheint die Dreifaltigkeit: „der Vater in der Stimme, der Sohn als Mensch, der Heilige Geist in der leuchtenden Wolke“ (hl. Thomas von Aquin). Indem Jesus mit Mose und Elija über sein „Ende“ spricht (Lk 9, 31), zeigt er, dass seine Herrlichkeit den Weg über das Kreuz nimmt. Die Verklärung gewährt eine Vorahnung der Auferstehung und der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit, „der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes“ (Phil 3, 21).

 

„Du wurdest auf dem Berg verklärt, und soweit sie dazu fähig waren, schauten deine Jünger deine Herrlichkeit, Christus Gott, damit sie, wenn sie dich gekreuzigt sehen werden, begreifen, dass dein Leiden freiwillig war, und damit sie der Welt verkünden, dass du wirklich der Abglanz des Vaters bist“ (Byzantinische Liturgie).

111. Wie zieht Jesus als Messias in Jerusalem ein?

557-560

Zur festgesetzten Zeit entschließt sich Jesus, nach Jerusalem hinaufzugehen, um seine Passion zu erleiden, zu sterben und aufzuerstehen. Als Messias-König, der das Kommen des Gottesreiches ankündigt, zieht er, auf einem Esel reitend, in seine Stadt ein. Er wird empfangen von den Kleinen, deren Jubelruf in das eucharistische Sanctus aufgenommen ist: „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Hosanna (rette uns)!“ (Mt 21, 9). Die Liturgie der Kirche eröffnet die Karwoche mit der Feier des Einzugs Jesu in Jerusalem.

 

„Jesus Christus … gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben“

 

112. Welche Bedeutung hat das Pascha-Mysterium Jesu?

571-573

Das Pascha-Mysterium Jesu, das sein Leiden und Sterben, seine Auferstehung und seine Verherrlichung umfasst, ist das Herz des christlichen Glaubens. Denn im Erlösungstod seines Sohnes Jesus Christus ging der Heilsplan Gottes ein für allemal in Erfüllung.

 

113. Aufgrund welcher Anklagen wurde Jesus verurteilt?

574-576

Einige Führer Israels beschuldigten Jesus, gegen das Gesetz, gegen den Tempel von Jerusalem und besonders gegen den Glauben an den einzigen Gott zu verstoßen, weil er sich als Sohn Gottes bezeichnete. Darum lieferten sie ihn an Pilatus aus, damit er ihn zum Tode verurteile.

 

114. Wie hat sich Jesus gegenüber dem Gesetz Israels verhalten?

577-582

Jesus hat das Gesetz, das Gott dem Mose auf dem Sinai gegeben hatte, nicht abgeschafft. Er hat es vollendet und ihm seine endgültige Auslegung gegeben. Er ist der göttliche Gesetzgeber, der dieses Gesetz vollkommen erfüllt. Außerdem bringt er, der treue Gottesknecht, mit seinem Sühnetod das einzige Opfer dar, das von allen „im ersten Bund begangenen Übertretungen“ (Hebr 9, 15) zu erlösen vermag.

 

115. Welche Einstellung hatte Jesus gegenüber dem Tempel von Jerusalem?

583-586

Jesus wurde der Feindschaft gegenüber dem Tempel beschuldigt. Doch er hat ihn als das Haus seines Vaters (Joh 2, 16) verehrt und dort einen bedeutenden Teil seiner Lehre vorgetragen. Im Zusammenhang mit seinem Tod hat er freilich auch dessen Zerstörung vorausgesagt, und er hat sich selbst als die endgültige Wohnung Gottes unter den Menschen bezeichnet.

 

116. Hat Jesus dem Glauben Israels an den einzigen rettenden Gott widersprochen?

587-591

Jesus hat dem Glauben an einen einzigen Gott niemals widersprochen, auch nicht als er das göttliche Werk schlechthin vollbrachte, das die messianischen Verheißungen erfüllte und ihn als Gott gleich auswies: das Werk der Sündenvergebung. Die Forderung Jesu, an ihn zu glauben und umzukehren, hilft zu verstehen, weshalb der Hohe Rat dem tragischen Missverständnis erliegen konnte, Jesus verdiene als Gotteslästerer den Tod.

 

117. Wer ist für den Tod Jesu verantwortlich?

595-598

Die Passion und der Tod Jesu können weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den danach geborenen Juden anderer Länder und Zeiten zur Last gelegt werden. Jeder einzelne Sünder, das heißt jeder Mensch, ist Urheber und Vollstrecker der Leiden der Erlösers. Diese Schuld trifft vor allem jene, die wiederholt in die Sünde zurückfallen oder sich in Lastern vergnügen, vor allem, wenn sie Christen sind.

 

118. Warum gehört der Tod Christi zum Ratschluss Gottes?

599-605

Um alle Menschen, die aufgrund der Sünde dem Tod verfallen waren, mit sich zu versöhnen, hat Gott die liebevolle Initiative ergriffen, seinen Sohn zu senden, damit dieser sich für die Sünder dem Tod überliefere. Im Alten Testament angekündigt, insbesondere als Opfer des leidenden Gottesknechts, geschah der Tod Jesu „gemäß der Schrift“.

 

119. In welcher Weise hat Christus sich selbst dem Vater dargebracht?

606-609

Das ganze Leben Christi ist eine freiwillige Opfergabe an den Vater, um dessen Heilsratschluss zu erfüllen. Er gibt sein Leben hin „als Lösegeld für viele“ (Mk 10, 45), und so versöhnt er die ganze Menschheit mit Gott. Sein Leiden und Sterben zeigen, wie seine Menschennatur das freie und vollkommene Werkzeug der göttlichen Liebe ist, die das Heil aller Menschen will.

 

120. Wie kommt die Hingabe Jesu beim Letzten Abendmahl zum Ausdruck?

640-611

Beim Letzten Abendmahl mit den Aposteln am Vorabend seiner Passion nimmt Jesus seine freiwillige Selbsthingabe vorweg, das heißt er bringt sie zeichenhaft zum Ausdruck und verwirklicht sie im Voraus: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ (Lk 22, 19). „Das ist mein Blut, das … vergossen wird“ (Mt 26, 28). So setzt er die Eucharistie als „Gedächtnis“ (1 Kor 11, 25) seines Opfers ein und bestellt seine Apostel zu Priestern des Neuen Bundes.

 

121. Was geschieht bei der Todesangst im Garten von Getsemani?

612

Die ganz heilige Menschennatur des Sohnes Gottes, der der „Urheber des Lebens“ (Apg 3, 15) ist, empfindet Abscheu vor dem Tod. Dennoch stimmt sein menschlicher Wille dem Willen des Vaters zu: Um uns zu retten, ist Jesus bereit, unsere Sünden mit seinem Leib zu tragen und „gehorsam bis zum Tod“ (Phil 2, 8) zu sein.

 

122. Was bewirkt das Opfer Christi am Kreuz?

613-617

Jesus hat sein Leben freiwillig als Sühnopfer hingegeben, das heißt er hat unsere Sünden durch den vollkommenen Gehorsam seiner Liebe bis zum Tod wiedergutgemacht. Diese Liebe des Sohnes Gottes „bis zur Vollendung“ (Joh 13, 1) versöhnt die ganze Menschheit mit dem Vater. Das österliche Opfer Christi erlöst also die Menschen auf einmalige, vollkommene und endgültige Weise und erschließt ihnen die Gemeinschaft mit Gott.

 

123. Warum ruft Jesus seine Jünger auf, ihr Kreuz auf sich zu nehmen?

618

Indem Jesus seine Jünger aufruft, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen (Mt 16, 24), will er diejenigen, denen sein Erlösungsopfer zuerst zugute kommt, mit diesem Opfer vereinigen.

 

124. In welchem Zustand war der Leib Christi, als er im Grabe lag?

624-630

Christus hat einen echten Tod erlitten und ist wirklich begraben worden. Doch die göttliche Kraft hat seinen Leib vor der Verwesung bewahrt.

 

„Jesus Christus ... hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten“

 

125. Was ist „das Reich des Todes“, in das Jesus hinabgestiegen ist?

632-637

Das „Reich des Todes“ – nicht zu verwechseln mit der Hölle der Verdammten – war der Zustand all derer, die vor Christus gestorben waren, ob sie nun gerecht oder böse waren. Jesus begab sich mit seiner Seele, die mit seiner göttlichen Person vereint war, in das Reich des Todes zu den Gerechten, die ihren Retter erwarteten, um schließlich zur Schau Gottes zu gelangen. Nachdem er durch seinen Tod den Tod und den Teufel, „der die Gewalt über den Tod hat“ (Hebr 2, 14), besiegt hatte, befreite er die Gerechten, die auf den Retter warteten, und öffnete ihnen die Pforten des Himmels.

 

126. Welchen Stellenwert hat die Auferstehung Christi in unserem Glauben?

631, 638

Die Auferstehung Christi ist die Wahrheit, in der unser Glaube an Christus gipfelt. Zusammen mit dem Kreuz ist sie wesentlicher Teil des Pascha-Mysteriums.

 

127. Welche „Zeichen“ bezeugen die Auferstehung Jesu?

639-644

Neben dem entscheidend wichtigen Zeichen des leeren Grabes ist die Auferstehung Jesu von den Frauen bezeugt, die ihm zuerst begegneten und ihn den Aposteln verkündeten. Danach erschien Jesus „dem Kephas (Petrus), dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich“ (1 Kor 15, 5–6) und noch anderen. Die Apostel konnten die Auferstehung nicht erfinden, denn sie schien ihnen unmöglich. Jesus tadelte sie sogar wegen ihres Unglaubens.

 

128. Warum ist die Auferstehung auch ein transzendentes Ereignis?

647

Die Auferstehung war ein geschichtliches Ereignis, das sich durch Zeichen und Zeugnisse feststellen und bezeugen ließ. Dennoch geht sie als Glaubensmysterium über die Geschichte hinaus, weil sie der Eintritt der Menschennatur Christi in die Herrlichkeit Gottes ist. Darum offenbarte sich der auferstandene Christus nicht der Welt, sondern seinen Jüngern, und machte sie zu seinen Zeugen vor dem Volk.

 

129. In welchem Zustand befindet sich der auferstandene Leib Jesu?

645-646

Die Auferstehung Christi war nicht eine Rückkehr in das irdische Leben. Sein auferstandener Leib ist der selbe, der gekreuzigt worden ist, und trägt die Spuren seines Leidens. Doch er hat bereits Anteil am göttlichen Leben und besitzt die Eigenschaften eines verherrlichten Leibes. Aus diesem Grund steht es dem auferstandenen Jesus völlig frei, seinen Jüngern in verschiedenen Gestalten zu erscheinen, wie und wo er will.

 

130. Inwiefern ist die Auferstehung ein Werk der heiligsten Dreifaltigkeit?

648-650

Die Auferstehung Christi ist ein transzendentes Werk Gottes. Die drei Personen handeln gemeinsam gemäß ihrer Eigenart: Der Vater offenbart seine Macht; der Sohn nimmt sein Leben wieder, das er freiwillig hingegeben hatte (Joh 10, 17), und vereint seine Seele wieder mit seinem Leib, den der Geist belebt und verherrlicht.

 

131. Was sind der Sinn und die Heilsbedeutung der Auferstehung?

651-655

Die Auferstehung ist der Höhepunkt der Menschwerdung. Sie bestätigt die Gottheit Christi sowie all das, was er getan und gelehrt hat, und erfüllt alle göttlichen Verheißungen für uns. Außerdem ist der Auferstandene, der Sieger über Sünde und Tod, die Ursache unserer Rechtfertigung und unserer Auferstehung: Jetzt schon erwirkt er uns die Gnade der Annahme an Kindes Statt, die eine wirkliche Teilhabe an seinem Leben als eingeborener Sohn ist. Am Ende der Zeiten wird er unseren Leib auferwecken.

 

„Jesus Christus ... aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“

 

132. Was bedeutet die Himmelfahrt?

659-667

Als vierzig Tage vergangen waren, seit Christus den Aposteln unter der Gestalt einer gewöhnlichen Menschennatur, die seine Herrlichkeit als Auferstandener verhüllte, erschienen war, fährt er in den Himmel auf und setzt sich zur Rechten des Vaters. Er ist der Herr, der nun mit seiner Menschennatur in der ewigen Herrlichkeit des Sohnes Gottes herrscht und unablässig beim Vater für uns eintritt. Er sendet uns seinen Geist und gibt uns die Hoffnung, eines Tages zu ihm zu gelangen, weil er einen Platz für uns bereitet hat.

 

„Von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten“

 

133. Wie herrscht Jesus, der Herr, jetzt?

668-674

Als Herr der Welt und der Geschichte und als Haupt seiner Kirche bleibt der verherrlichte Christus auf geheimnisvolle Weise auf der Erde, wo sein Reich in der Kirche schon als Keim und Anfang gegenwärtig ist. Einst wird er wiederkommen in Herrlichkeit, doch kennen wir den Zeitpunkt nicht. Darum leben wir in wachsamer Erwartung und rufen: „Komm, Herr!“ (Offb 22, 20).

 

134. Wie wird das Kommen des Herrn in Herrlichkeit sein?

675-677

Nach der letzten kosmischen Erschütterung dieser vergänglichen Welt wird das Kommen Christi in Herrlichkeit mit dem endgültigen Triumph Gottes in der Parusie und mit dem letzten Gericht einhergehen. So wird das Reich Gottes zur Vollendung gelangen.

 

135. Wie wird Christus die Lebenden und die Toten richten?

678-679

Christus wird mit der Vollmacht richten, die er erworben hat als Erlöser der Welt, der gekommen ist, um die Menschen zu retten. Die innersten Gesinnungen der Herzen sowie das Verhalten eines jeden gegenüber Gott und dem Nächsten werden aufgedeckt werden. Jeder Mensch wird nach seinen Werken entweder mit Leben erfüllt oder für die Ewigkeit verdammt werden. So wird das „Vollmaß Christi“ (Eph 4, 13) erreicht, in dem „Gott alles in allen“ sein wird (1 Kor 15, 28).

 

 

DRITTES KAPITEL

Ich glaube an den Heiligen Geist

 

136. Was will die Kirche sagen, wenn sie bekennt: „Ich glaube an den Heiligen Geist“?

683-686

An den Heiligen Geist glauben heißt bekennen, dass er die dritte Person der heiligsten Dreifaltigkeit ist, die vom Vater und vom Sohn ausgeht und „mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird“. Der Geist wurde „in unser Herz“ gesandt (Gal 4, 6), damit wir das neue Leben als Kinder Gottes empfangen.

 

137. Warum sind die Sendung des Sohnes und die Sendung des Geistes untrennbar?

687-690

In der untrennbaren Dreifaltigkeit sind der Sohn und der Heilige Geist zwar voneinander verschieden, aber nicht voneinander getrennt. Vom Anfang bis zum Ende der Zeit sendet nämlich der Vater, wenn er seinen Sohn sendet, auch seinen Geist, der uns im Glauben mit Christus vereint, damit wir als Kinder angenommen werden und zu Gott „Vater“ sagen können (Röm 8, 15). Der Geist ist unsichtbar, aber wir erkennen ihn durch sein Handeln, wenn er uns das Wort offenbart und wenn er in der Kirche wirkt.

 

138. Welche Bezeichnungen gibt es für den Heiligen Geist?

691-693

„Heiliger Geist“ ist der Name der dritten Person der heiligsten Dreifaltigkeit. Jesus nennt ihn auch Paraklet (Tröster, Beistand) und Geist der Wahrheit. Das Neue Testament nennt ihn außerdem Geist Christi, Geist des Herrn, Geist Gottes, Geist der Herrlichkeit, Geist der Verheißung.

 

139. Welche Sinnbilder gibt es für den Heiligen Geist?

694-701

Es gibt viele: das lebendige Wasser, das aus dem durchbohrten Herzen Christi quillt und den Durst der Getauften stillt; die Salbung mit Öl, die das sakramentale Zeichen der Firmung ist; das Feuer, das alles verwandelt, was es berührt; die dunkle oder lichte Wolke, in der sich die göttliche Herrlichkeit offenbart; die Handauflegung, durch die der Geist gespendet wird; die Taube, die bei der Taufe auf Christus herabkommt und auf ihm bleibt.

 

140. Was bedeutet es, dass der Geist „gesprochen hat durch die Propheten“?

687-688

Unter Propheten versteht man diejenigen, die vom Heiligen Geist inspiriert wurden, um im Namen Gottes zu sprechen. Der Geist führt die Weissagungen des Alten Testaments zur vollen Erfüllung in Christus, dessen Geheimnis er im Neuen Testament enthüllt.

 

141. Was bewirkt der Heilige Geist in Johannes dem Täufer?

717-720

Der Geist erfüllt Johannes den Täufer, den letzten Propheten des Alten Testaments. Von ihm getrieben, wird Johannes gesandt, um „das Volk für den Herrn bereit zu machen“ (Lk 1, 17) und das Kommen Christi, des Sohnes Gottes, anzukündigen: denjenigen, auf den er den Geist herabkommen sah, auf dem er bleibt, „der mit dem Heiligen Geist tauft“ (Joh 1, 33).

 

142. Welches Werk vollbringt der Geist in Maria?

721-726

Der Heilige Geist vollendet in Maria die Erwartungen und die Vorbereitung des Alten Testaments auf das Kommen Christi. In einzigartiger Weise erfüllt er sie mit Gnade und lässt ihre Jungfräulichkeit fruchtbar werden, um den Fleisch gewordenen Sohn Gottes zur Welt zu bringen. Er macht sie zur Mutter des „ganzen Christus“, das heißt zur Mutter Jesu, des Hauptes, und der Kirche, seines Leibes. Am Pfingsttag ist Maria unter den Zwölf zugegen, als der Geist mit dem Offenbarwerden der Kirche die „letzten Zeiten“ anbrechen lässt.

 

143. Welche Beziehung besteht zwischen dem Geist und Christus Jesus in dessen irdischer Sendung?

727-730

Durch die Salbung des Geistes ist der Sohn Gottes in seinem Menschsein seit seiner Inkarnation zum Messias geweiht. Er offenbart den Geist in seiner Lehre und erfüllt so die an die Väter ergangene Verheißung. Er teilt ihn der werdenden Kirche mit, indem er die Apostel nach seiner Auferstehung anhaucht.

 

144. Was geschieht an Pfingsten?

731-732

Fünfzig Tage nach seiner Auferstehung spendet der verherrlichte Jesus Christus an Pfingsten den Geist in Überfülle. Er macht ihn als göttliche Person offenbar, so dass die heilige Dreifaltigkeit voll und ganz geoffenbart ist. Die Sendung Christi und des Geistes wird zur Sendung der Kirche. Diese Sendung besteht darin, das Mysterium der Gemeinschaft der Dreifaltigkeit zu verkünden und auszubreiten.

„Wir haben das wahre Licht geschaut, wir haben den himmlischen Geist erhalten, wir haben den wahren Glauben gefunden. Wir beten die unteilbare Dreifaltigkeit an, denn sie hat uns errettet“ (Byzantinische Liturgie, Tropar der Pfingstvesper).

145. Was tut der Geist in der Kirche?

733-741

Der Geist erbaut, beseelt und heiligt die Kirche. Als Geist der Liebe gibt er den Getauften die durch die Sünde verlorene Ähnlichkeit mit Gott zurück und lässt sie in Christus aus dem Leben der heiligsten Dreifaltigkeit leben. Er sendet sie, die Wahrheit Christi zu bezeugen. Er stimmt sie in ihren wechselseitigen Aufgaben aufeinander ab, damit alle „die Frucht des Geistes“ (Gal 5, 22) bringen.

 

146. Wie wirken Christus und sein Geist im Herzen der Gläubigen?

738-741

Durch die Sakramente teilt Christus den Gliedern seines Leibes seinen Geist und die Gnade Gottes mit. Diese Gnade trägt Früchte im neuen Leben nach dem Geist. Schließlich ist der Heilige Geist der Lehrmeister des Betens.

 

„Ich glaube … die heilige katholische Kirche“

Die Kirche im Plane Gottes

 

147. Was bedeutet das Wort Kirche?

748-752

Es bezeichnet das Volk, das Gott von allen Enden der Erde zusammenruft und vereint, um die Versammlung derer zu bilden, die durch den Glauben und die Taufe Kinder Gottes, Glieder Christi und Tempel des Heiligen Geistes werden.

 

148. Gibt es in der Bibel andere Namen und Bilder für die Kirche?

753-757

In der Heiligen Schrift finden wir viele Bilder, die sich ergänzende Aspekte des Mysteriums der Kirche hervortreten lassen. Das Alte Testament bevorzugt Bilder, die mit der Idee des Volkes Gottes zu tun haben. Das Neue Testament bevorzugt Bilder, die mit Christus zusammenhängen, dem Haupt dieses Volkes, das sein Leib ist, sowie Bilder aus dem Hirtenleben (Schafstall, Herde, Schafe), vom Ackerbau (Ackerfeld, Ölbaum, Weingarten), vom Hausbau (Wohnung, Stein, Tempel), aus dem Familienleben (Braut, Mutter, Familie).

 

149. Was sind der Ursprung und die Vollendung der Kirche?

758-766

Die Kirche findet ihren Ursprung und ihre Vollendung im ewigen Ratschluss Gottes. Sie wurde im Alten Bund vorbereitet mit der Erwählung Israels, Zeichen der zukünftigen Vereinigung aller Nationen. Sie wurde durch die Worte und Taten Jesu Christi gegründet und vor allem durch seinen erlösenden Tod und seine Auferstehung verwirklicht. Sie wurde dann durch die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten als Heilsmysterium offenbart. Sie wird am Ende der Zeiten als himmlische Versammlung aller Erlösten vollendet werden.

 

150. Welche Sendung hat die Kirche?

767-769

Die Sendung der Kirche besteht darin, das von Jesus Christus begonnene Reich Gottes zu verkünden und in allen Völkern zu begründen. Sie stellt hier auf Erden den Keim und den Anfang dieses rettenden Reiches dar.

 

151. In welchem Sinn ist die Kirche Mysterium?

770-773

Die Kirche ist Mysterium, insofern in ihrer sichtbaren Wirklichkeit eine geistige, göttliche Wirklichkeit gegenwärtig und wirksam ist, die man nur mit den Augen des Glaubens wahrnimmt.

 

152. Was bedeutet es, dass die Kirche das universale Heilssakrament ist?

774-776

Es bedeutet, dass die Kirche Zeichen und Werkzeug der Versöhnung und Gemeinschaft der ganzen Menschheit mit Gott und der Einheit des gesamten Menschengeschlechts ist.

 

Die Kirche - Volk Gottes, Leib Christi, Tempel des Heiligen Geistes

 

153. Warum ist die Kirche das Volk Gottes?

781

Die Kirche ist das Volk Gottes, denn es hat Gott gefallen, die Menschen nicht einzeln zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem einzigen Volk zu machen, das von der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes her geeint ist.

 

154. Welche Besonderheiten weist das Volk Gottes auf?

782

Dieses Volk, in das man durch den Glauben an Christus und die Taufe eingegliedert wird, hat als Ursprung Gott Vater, als Haupt Jesus Christus, als Stand die Würde und die Freiheit der Kinder Gottes, als Gesetz das neue Gebot der Liebe, als Sendung, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein, als Ziel das Reich Gottes, das auf Erden bereits seinen Anfang genommen hat.

 

155. In welchem Sinn hat das Volk Gottes Anteil an den drei Ämtern Christi, der Priester, Prophet und König ist?

783-786

Das Volk Gottes hat am priesterlichen Amt Christi teil, weil die Getauften vom Heiligen Geist geweiht werden, um geistige Opfer darzubringen. Es nimmt an seinem prophetischen Amt teil, weil es mit dem übernatürlichen Glaubenssinn dem Glauben unwiderruflich anhängt, ihn immer tiefer versteht und ihn bezeugt. Es hat an seinem königlichen Amt Anteil, weil es im Dienen Jesus Christus nachahmt, der sich als König der ganzen Welt zum Diener aller gemacht hat, vor allem der Armen und der Leidenden.

 

156. Auf welche Weise ist die Kirche der Leib Christi?

787-791
805-806

Durch den Geist vereint der gestorbene und auferstandene Christus seine Gläubigen innig mit sich. Auf diese Weise sind die an Christus Glaubenden, die vor allem durch die Eucharistie mit ihm verbunden sind, auch untereinander in der Liebe vereint und bilden einen einzigen Leib, die Kirche, deren Einheit sich in der Verschiedenheit der Glieder und Aufgaben verwirklicht.

 

157. Wer ist das Haupt dieses Leibes?

792-795
807

Christus „ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche“ (Kol 1, 18). Die Kirche lebt aus ihm, in ihm und für ihn. Christus und die Kirche bilden den „ganzen Christus“ (hl. Augustinus). „Haupt und Glieder sind gleichsam eine mystische Person“ (hl. Thomas von Aquin).

 

158. Warum wird die Kirche die Braut Christi genannt?

796, 808

Weil sich der Herr selbst als „der Bräutigam“ bezeichnet hat (Mk 2, 19), der die Kirche geliebt und sie durch einen ewigen Bund an sich gebunden hat. Er hat sich für sie hingegeben, um sie mit seinem Blut „rein und heilig“ (Eph 5, 26) und zur fruchtbaren Mutter aller Kinder Gottes zu machen. Während der Ausdruck „Leib“ die Einheit des „Hauptes“ mit den Gliedern hervorhebt, unterstreicht das Wort „Braut“ die Verschiedenheit der beiden in einer persönlichen Beziehung.

 

159. Warum wird die Kirche der Tempel des Heiligen Geistes genannt?

797-798
809-810

Weil der Heilige Geist in dem Leib wohnt, der die Kirche ist: in seinem Haupt und in seinen Gliedern. Außerdem baut er die Kirche mit dem Wort Gottes, den Sakramenten, den Tugenden und den Charismen in der Liebe auf.

„Was unser Geist, das heißt unsere Seele, für unsere Glieder ist, das ist der Heilige Geist für die Glieder Christi, für den Leib Christi, die Kirche“ (hl. Augustinus).

160. Was sind Charismen?

799-801

Charismen sind besondere Gaben des Heiligen Geistes, die den Einzelnen zum Wohl der Menschen, für die Nöte der Welt und besonders zum Aufbau der Kirche geschenkt werden. Die Unterscheidung von Charismen steht dem Lehramt der Kirche zu.

 

Die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche

 

161. Warum ist die Kirche eine?

811-815
866

Die Kirche ist eine, weil sie die Einheit des einzigen Gottes in der Dreiheit der Personen als Ursprung und Vorbild hat; weil Jesus Christus, der die Einheit aller Völker in einem einzigen Leib wiederherstellt, ihr Gründer und Haupt ist; weil der Heilige Geist, der alle Gläubigen in der Gemeinschaft in Christus verbindet, ihre Seele ist. Sie hat nur einen Glauben, nur ein sakramentales Leben, nur eine apostolische Sukzession, eine gemeinsame Hoffnung und ein und dieselbe Liebe.

 

162. Wo besteht die einzige Kirche Christi?

816, 870

Die einzige Kirche Christi, in der Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, besteht in (subsistit in) der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Nur durch sie kann man die ganze Fülle der Heilsmittel erlangen. Denn einzig dem Apostelkollegium, dessen Haupt Petrus ist, hat der Herr alle Güter des Neuen Bundes anvertraut.

 

163. Wie sind die nicht katholischen Christen zu betrachten?

817-819

In den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die sich von der vollen Gemeinschaft der katholischen Kirche getrennt haben, sind vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden. Alle diese Güter stammen von Christus und drängen auf die katholische Einheit hin. Die Mitglieder dieser Kirchen und Gemeinschaften sind in der Taufe Christus eingegliedert. Darum werden sie von uns als Brüder und Schwestern anerkannt.

 

164. Wie kann man sich für die Einheit der Christen einsetzen?

820-822

Das Verlangen, die Einheit aller Christen wiederherzustellen, ist eine Gabe Christi und ein Ruf des Geistes. Dieses Verlangen betrifft die ganze Kirche und verwirklicht sich durch die Bekehrung des Herzens, das Gebet, die gegenseitige brüderliche Kenntnis und den theologischen Dialog.

 

165. In welchem Sinn ist die Kirche heilig?

823-829

Die Kirche ist heilig, weil der heilige Gott ihr Urheber ist. Christus hat sich für sie hingegeben, um sie zu heiligen und heiligend zu machen. Der Heilige Geist belebt sie mit der Liebe. In ihr ist die Fülle der Heilsmittel vorhanden. Die Heiligkeit ist die Berufung aller ihrer Glieder und das Ziel aller ihrer Tätigkeiten. In der Mitte der Kirche befinden sich die Jungfrau Maria und viele Heilige als Vorbilder und Fürsprecher. Die Heiligkeit der Kirche ist die Quelle der Heiligung ihrer Kinder, die sich hier auf Erden alle als Sünder bekennen und ständig der Umkehr und der Läuterung bedürfen.

 

166. Warum wird die Kirche katholisch genannt?

830-831

Die Kirche ist katholisch, das heißt allumfassend, weil in ihr Christus zugegen ist. „Wo Christus Jesus ist, ist die katholische Kirche“ (hl. Ignatius von Antiochien). Sie verkündet den ganzen, unverfälschten Glauben. Sie besitzt und spendet die Fülle der Heilsmittel. Sie ist zu allen Völkern aller Zeiten gesandt, welcher Kultur sie auch angehören.

 

167. Ist die Teilkirche katholisch?

832-835

Katholisch ist jede Teilkirche (das heißt jede Diözese oder Eparchie), die aus einer Gemeinschaft von Christen besteht, die im Glauben und in den Sakramenten vereint sind mit ihrem Bischof, der in der apostolischen Sukzession steht, und mit der Kirche von Rom, „die den Vorsitz in der Liebe führt“ (hl. Ignatius von Antiochien).

 

168. Wer gehört zur katholischen Kirche?

836-838

Alle Menschen gehören auf verschiedene Weise der katholischen Einheit des Gottesvolkes an oder sind ihr zugeordnet. Der Kirche voll eingegliedert ist, wer sich, im Besitz des Geistes Christi, durch die Bande des Glaubensbekenntnisses, der Sakramente und der kirchlichen Leitung und Gemeinschaft mit ihr verbindet. Die Getauften, die diese katholische Einheit nicht voll verwirklichen, stehen in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche.

 

169. In welchem Verhältnis steht die katholische Kirche zum jüdischen Volk?

839-840

Die katholische Kirche erkennt ihr Verhältnis zum jüdischen Volk in der Tatsache, dass Gott dieses Volk als erstes unter allen Völkern erwählt hat, um sein Wort aufzunehmen. Das jüdische Volk besitzt „die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihm ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus“ (Röm 9, 4-5). Im Unterschied zu den anderen nichtchristlichen Religionen ist der jüdische Glaube schon Antwort auf die Offenbarung Gottes im Alten Bund.

 

170. Welche Verbindung besteht zwischen der katholischen Kirche und den nichtchristlichen Religionen?

841-845

Es gibt eine Verbindung, die vor allem auf dem gemeinsamen Ursprung und Ziel des ganzen Menschengeschlechtes beruht. Die katholische Kirche anerkennt, dass alles, was sich in den anderen Religionen an Gutem und Wahrem findet, von Gott kommt, ein Strahl seiner Wahrheit ist, auf die Annahme des Evangeliums vorbereiten und zur Einheit der Menschen in der Kirche Christi hindrängen kann.

 

171. Was bedeutet die Aussage: „Außerhalb der Kirche kein Heil“?

846-848

Diese Aussage bedeutet, dass alles Heil von Christus, dem Haupt, durch die Kirche, seinen Leib, kommt. Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die wissen, dass die Kirche von Christus gegründet wurde und zum Heil notwendig ist, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen. Zugleich können durch Christus und seine Kirche diejenigen das ewige Heil erlangen, die ohne eigene Schuld das Evangelium Christi und seine Kirche nicht kennen, Gott jedoch aufrichtigen Herzens suchen und sich unter dem Einfluss der Gnade bemühen, seinen durch den Anruf des Gewissens erkannten Willen zu erfüllen.

 

172. Warum muss die Kirche das Evangelium der ganzen Welt verkünden?

849-851

Weil Christus befohlen hat: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28, 19). Dieser Missionsauftrag des Herrn hat seinen Ursprung in der ewigen Liebe Gottes, der seinen Sohn und seinen Geist gesandt hat, weil er „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2, 4).

 

173. Inwiefern ist die Kirche missionarisch?

852-856

Geführt vom Heiligen Geist, setzt die Kirche die Geschichte hindurch die Sendung Christi selbst fort. Deshalb müssen die Christen allen die von Christus gebrachte frohe Botschaft verkünden, indem sie seinem Weg folgen und sogar zum Selbstopfer bis hin zum Martyrium bereit sind.

 

174. Warum ist die Kirche apostolisch?

857

Die Kirche ist apostolisch aufgrund ihres Ursprungs, da sie „auf das Fundament der Apostel“ gebaut ist (Eph 2, 20); aufgrund ihrer Lehre, welche die Lehre der Apostel ist; und aufgrund ihrer Struktur, weil sie bis zur Wiederkunft Christi von den Aposteln belehrt, geheiligt und geleitet wird – und zwar durch ihre Nachfolger, die Bischöfe in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Petrus.

 

175. Worin besteht die Sendung der Apostel?

858-860

Das Wort Apostel bedeutet Gesandter. Jesus, der vom Vater Gesandte, rief zwölf von seinen Jüngern zu sich und setzte sie als seine Apostel ein. Er machte sie zu den erwählten Zeugen seiner Auferstehung und zu den Fundamenten seiner Kirche. Er gab ihnen den Auftrag, seine Sendung fortzusetzen, indem er sagte: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20, 21). Er versprach ihnen, bis zum Ende der Welt bei ihnen zu sein.

 

176. Was ist die apostolische Sukzession?

861-865

Die apostolische Sukzession ist die Übertragung der Sendung und der Vollmacht der Apostel auf ihre Nachfolger, die Bischöfe, durch das Sakrament der Weihe. Dank dieser Übertragung bleibt die Kirche in einer Glaubens- und Lebensgemeinschaft mit ihrem Ursprung, während sie die Jahrhunderte hindurch ihr ganzes Apostolat darauf ausrichtet, das Reich Christi auf der Erde zu verbreiten.

 

Die Gläubigen - Hierarchie, Laien, gottgeweihtes Leben

 

177. Wer sind die Gläubigen?

871-872

Gläubige sind jene, die durch die Taufe Christus eingegliedert und zum Volk Gottes gemacht worden sind. Da sie gemäß ihrer eigenen Stellung am priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi teilhaben, sind sie zur Ausübung der Sendung berufen, die Gott der Kirche anvertraut hat. Unter ihnen besteht eine wahre Gleichheit in ihrer Würde als Kinder Gottes.

 

178. Wie ist das Volk Gottes gestaltet?

873

Aufgrund göttlicher Einsetzung gibt es in der Kirche geistliche Amtsträger, die das Weihesakrament empfangen haben und die Hierarchie der Kirche bilden. Die anderen Gläubigen werden Laien genannt. In beiden Gruppen gibt es Gläubige, die sich durch das Bekenntnis zu den evangelischen Räten der Keuschheit in Ehelosigkeit, der Armut und des Gehorsam in besonderer Weise Gott weihen.

 

179. Warum hat Christus die kirchliche Hierarchie eingesetzt?

874-876

Christus hat die kirchliche Hierarchie eingesetzt, um das Volk Gottes in seinem Namen zu weiden. Zu diesem Zweck hat er ihr Vollmacht verliehen. Die Hierarchie setzt sich zusammen aus den geweihten Amtsträgern: den Bischöfen, Priestern und Diakonen. Aufgrund des Weihesakramentes handeln die Bischöfe und die Priester bei der Ausübung ihres Amtes im Namen und in der Person Christi, des Hauptes. Die Diakone dienen dem Volk Gottes in der Diakonie (im Dienst) des Wortes, der Liturgie und der Liebe.

 

180. Wie zeigt sich die kollegiale Dimension des kirchlichen Amtes?

877

Nach dem Beispiel der zwölf Apostel, die von Christus miteinander erwählt und ausgesandt wurden, steht die Einheit der Mitglieder der kirchlichen Hierarchie im Dienst der Gemeinschaft aller Gläubigen. Jeder Bischof übt seinen Dienst als Glied des Bischofskollegiums in Gemeinschaft mit dem Papst aus und hat mit ihm teil an der Sorge für die Gesamtkirche. Die Priester üben ihren Dienst im Presbyterium der Teilkirche in Gemeinschaft mit ihrem Bischof und unter seiner Leitung aus.

 

181. Warum hat das kirchliche Amt auch einen persönlichen Charakter?

878-879

Das kirchliche Amt hat auch einen persönlichen Charakter, weil jeder kraft des Weihesakramentes verantwortlich ist vor Christus, der ihn persönlich berufen und ihm die Sendung erteilt hat.

 

182. Welche Sendung hat der Papst?

880-882

Der Papst, der Bischof von Rom und Nachfolger des heiligen Petrus, ist das immerwährende und sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Kirche. Er ist der Stellvertreter Christi, das Haupt des Bischofskollegiums und der Hirte der Gesamtkirche. Aufgrund göttlicher Einsetzung hat er über die ganze Kirche die höchste, volle, unmittelbare und allgemeine Vollmacht.

 

183. Welche Aufgabe hat das Bischofskollegium?

883-885

Das Bischofskollegium übt - in Gemeinschaft mit dem Papst und niemals ohne ihn - ebenfalls die höchste und ganze Vollmacht über die Kirche aus.

 

184. Wie erfüllen die Bischöfe ihre Sendung zu lehren?

888-890

Die Bischöfe haben in Gemeinschaft mit dem Papst die Pflicht, als authentische, mit der Autorität Christi versehene Zeugen des apostolischen Glaubens allen getreu und mit Vollmacht das Evangelium zu verkünden. Durch den übernatürlichen Glaubenssinn hält das Volk Gottes unter der Leitung des lebendigen Lehramtes der Kirche den Glauben unverlierbar fest.

 

185. Wann ist das Lehramt unfehlbar?

891-892

Das Lehramt ist unfehlbar, wenn der Papst kraft seiner Autorität als oberster Hirte der Kirche oder das Bischofskollegium in Gemeinschaft mit dem Papst, vor allem auf einem Ökumenischen Konzil, eine Lehre über den Glauben oder die Sitten in einem endgültigen Akt verkünden. Das Lehramt ist auch unfehlbar, wenn der Papst und die Bischöfe in ihrem ordentlichen Lehramt übereinstimmend eine Lehre als endgültig vorlegen. Solchen Lehren muss jeder Gläubige im Glaubensgehorsam anhangen.

 

186. Wie üben die Bischöfe den Dienst der Heiligung aus?

893

Die Bischöfe heiligen die Kirche, wenn sie durch den Dienst am Wort und an den Sakramenten, insbesondere der Eucharistie, die Gnade Christi verwalten. Sie heiligen die Kirche auch durch ihr Gebet, ihr Vorbild und ihre Arbeit.

 

187. Wie üben die Bischöfe das Leitungsamt aus?

886-887
894-896

Jeder Bischof trägt als Glied des Bischofskollegiums zusammen mit den anderen Bischöfen in Einheit mit dem Papst kollegial die Sorge für alle Teilkirchen und für die ganze Kirche. Der Bischof, dem eine Teilkirche anvertraut wird, leitet diese mit der Autorität seiner eigenen, ordentlichen und unmittelbaren heiligen Vollmacht, die er in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche und unter der Leitung des Nachfolgers Petri im Namen Christi, des guten Hirten, ausübt.

 

188. Welche Berufung haben die gläubigen Laien?

897-900

Die besondere Berufung der gläubigen Laien besteht darin, das Reich Gottes zu suchen, indem sie die zeitlichen Dinge Gott gemäß erleuchten und ordnen. So verwirklichen sie die Berufung zur Heiligkeit und zum Apostolat, die an alle Getauften ergeht.

 

189. Wie haben die Laien am Priesteramt Christi teil?

901-903

Sie haben daran teil, indem sie ihr Leben mit allen Tätigkeiten, Gebeten und apostolischen Unternehmungen, dem Familienleben und der täglichen Arbeit, den geduldig ertragenen Beschwernissen des Lebens und der Erholung von Leib und Geist durch Jesus Christus als geistiges Opfer darbringen, das Gott gefällt (1 Petr 2, 5), vor allem in der Eucharistie. So bringen auch die Laien als Christus Geweihte und mit dem Heiligen Geist Gesalbte die Welt selbst Gott dar.

 

190. Wie nehmen sie an seinem Prophetenamt teil?

904-907

Sie nehmen daran teil, indem sie das Wort Christi immer mehr im Glauben aufnehmen und der Welt durch das Zeugnis ihres Lebens, das Wort, die Evangelisation und die Katechese verkünden. Diese Evangelisation erhält eine besondere Wirksamkeit von daher, dass sie in den gewöhnlichen Verhältnissen der Welt erfüllt wird.

 

191. Wie haben sie an seinem Königsamt teil?

908-913

Die Laien haben an der königlichen Sendung Christi Anteil, weil sie von ihm die Macht erhalten haben, durch die Selbstverleugnung und die Heiligkeit ihres Lebens in ihnen selbst und in der Welt die Sünde zu überwinden. Sie üben verschiedene Aufgaben im Dienst der Gemeinschaft aus und erfüllen die weltlichen Tätigkeiten des Menschen und die Einrichtungen der