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Erstes Buch 2001-303
O Unbegreifflichkeit! GOtt hat sich selbst verlohrn /
O hohe Würdigung! GOtt springt von seinem Thron /
Jch ward das was ich war / und bin was ich gewesen /
Nichts dünkt mich hoch zu seyn: Jch bin das höchste Ding /
Der ort und's Wort ist Eins / und wäre nicht der ort /
Wiltu den Neuen Mensch und seinen Namen kennen /
O süsse Gasterey! GOtt selber wird der Wein /
Zu viel ist niemals gutt / ich hasse Völlerey!
Die Hure Babylon trinkt Blutt / und trinkt den Tod:
Die Heilgen sind so viel von Gottes Gottheit trunken /
Nicht GOtt gibts Himmelreich: du selbst musts zu dir ziehn /
GOtt ist das was Er ist: Jch was ich durch ihn bin:
Der durst ist nicht ein Ding / und doch kan er dich plagen:
Die Sanfftmut ist ein sammt auf dem GOtt ruht und liegt:
Was ist Gerechtigkeit? das / welches allen gleich
GOtt ist mein Geist / mein Blutt / mein Fleisch / und mein Gebein:
Fragstu was Gott mehr liebt / jhm würken oder ruhn?
Wer in dem Nächsten nichts als Gott und Christum siht:
Die Einfalt ist so wehrt / daß wann sie GOtt gebricht /
Weil mein Erlöser hat die Menschheit aufgenommen /
Der Glaube Senffkorns groß versetzt den Berg ins Meer:
Die Hoffnung ist ein Seil: könt' ein Verdambter hoffen:
Die Zuversicht ist gut / und das Vertrauen fein:
GOtt ist mir GOtt und Mensch: ich bin Jhm Mensch und GOtt.
Was gaffstu vil mein Mensch? der Anti-Christ unds Thier
Du bist die Babel selbst: gehst du nicht auß dir auß /
Die Rachgiehr ist ein Rad das nimmer stille steht:
Mensch soltestu in dir das Ungeziefer schauen /
Der Zorn ist höllisch Feur / wann er in dir entbrennt /
Es dunkt mich leichter seyn in Himmel sich zuschwingen;
Christ wenn ein Schiffseil wird durchs Nadelöhr gezogen /
Das Wort das GOtt von dir am allerliebsten hört /
Mein Lieb und alle Ding' ist GOttes nachgeklinge /
Herr liebstu meine Seel / so laß sie dich umbfassen:
Jch bethe GOtt mit GOtt auß Jhm / und in Jhm an:
GOtt liebt und lobt sich selbst / so viel er immer kan:
Mensch so du wissen wilt was redlich bethen heist:
Wer lauters Hertzens lebt / und geht auff Christi Bahn /
Meinstu O armer Mensch / daß deines Munds geschrey
GOtt ist so überalls daß man nichts sprechen kan:
Mein Leib (O Herligkeit!) ist GOttes Leib-gedinge /
Eröffene die Thür / so komt der heilge Geist /
Christ / so du JEsum liebst und seine Sanfftmutt hast /
Lieb' ist der weisen Stein: sie scheidet Gold auß koth /
Jm fall die Liebe dich versetzen sol auß Peyn /
Der heilge Geist der schmeltzt / der Vater der verzehrt /
So wenig du das Gold kanst schwartz und Eisen nennen:
Schau doch wie hoch Vereint die Goldheit mit dem Bley /
Die Goldheit machet Gold / die Gottheit machet GOtt:
Schau wie die Goldheit ist deß Golds fluß / schwer' und schein:
Sag wie ich möge seyn deß Vaters liebstes Kind?
Jst GOttes GOttheit mir nicht jnniglich gemein /
Christ so du kanst ein Kind von gantzem Hertzen werden /
Weil sich die GOttheit hat in Kindheit mir erzeigt /
Kind oder GOtt gilt gleich: hastu mich Kind genennt /
Jch bin GOtts Kind und Sohn / Er wider ist mein Kind:
Daß GOtt Dreyeinig ist / zeigt dir ein jedes Kraut /
Betrachte das Tingirn / so sihstu schön und frey /
Die Ewge GOttheit ist der Menschheit so verpflicht!
Braut auf der Bräutgam komt! Man geht nicht mit jhm ein /
Die Mahlzeit ist bereitt / das Lamm zeigt seine Wunden:
Das Hochzeitkleid ist GOtt und seines Geistes liebe:
Die Ewge GOttheit ist so reich an Rath und That /
Nichts weset ohne Stimm: Gott höret überall /
Ach daß wir Menschen nicht wie die Waldvögelein /
Jch weiß die Nachtigal strafft nicht des GukGuks thon:
Freund / solln wir allesambt / nur jmmer Eines schreyn /
Je mehr man Unterscheid der Stimmen vor kan bringen:
Gott giebet so genau auf das koaxen acht /
Die Creaturen sind deß Ewgen Wortes Stimme:
Liebstu noch was an Gott / so sprichstu gleich dabey /
Was Gott in Ewigkeit begehrn und wünschen kan /
Die Heiligkeit ist gutt: wer drüber kommen kan /
Der Zufall muß hinweg / und aller falscher schein:
Mensch alles liebet dich; umb dich ists sehr gedrange:
Gott ist mein letztes End: Wenn ich sein Anfang bin /
Daß Gott kein ende hat / gesteh ich dir nicht zu:
Jch bin Gotts ander-Er / in mir findt Er allein
Mit Jchheit suchestu bald die bald jene sachen:
Dein stein Chymist ist nichts: der Ekstein den ich mein /
Mensch lebestu in Gott / und stirbest deinem willen /
Was hilfft michs daß den Herrn die Morgensterne Loben /
Schreyt hin Jhr Seraphin / das was man von euch list:
Was Cherubin erkennt / das mag mir nicht genügen /
Jn GOtt wird nichts erkandt: Er ist ein Einig Ein.
Maria ist hochwehrt: doch kan ich höher kommen /
Die Schönheit ist ein Licht: je mehr dir Licht gebrist /
Jhr Menschen lernet doch vonn Wisenblümelein /
Die Ros' ist ohn warumb / sie blühet weil sie blühet /
Wer schmückt die Lilien? Wer speiset die Narcissen?
Daß der gerechte Mensch wächst wie ein Palmenbaum
Was ist der Seelgen Lohn? Was wird mir nach dem Streit?
Mensch / wann dich weder Lieb berührt / noch Leid verletzt /
Wir bethen es gescheh mein Herr und Gott dein wille:
Mensch wird das Paradiß in dir nicht erstlich seyn /
Gott' ist nicht alles nah: die Jungfraw und das Kind /
Nakt darf ich nicht für Gott; und muß doch unbekleidt
Christ mein wo lauffstu hin? der Himmel ist in dir.
Das Wort schallt mehr in dir / als in deß andern Munde:
Wie thöricht thut der Mann der auß der Pfütze trinkt /
Weil Gotteskinder nicht das eigne Lauffen lieben /
Wer in den Wegen GOtts gedächte still zustehn /
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