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Nimm 1: Süßes für die Kartage
Geistliche Gedanken von Johannes Schwarz aus den "Amici-News April 2003"
Es ist soweit. Der Höhepunkt des christlichen Jahreskreises naht. Als
Botschafter hat der Osterhase schon längst die Oberherrschaft in den
Supermärkten zurückgewonnen und kommandiert Legionen seiner Artgenossen,
die etwas dümmlich grinsend in den Regalen Aufstellung genommen haben. In
großen grellen Lettern werden sie angepriesen: "Nimm zwei, zahl drei!" Und
etwas trunken von der berauschenden Frühlingsmusik die aus den
Lautsprechern dröhnt, greifen Gudrun K. und Gernot M. an einem Samstag
Nachmittag, kurz nach 3 Uhr, fast gleichzeitig nach einem lila Langohr.
Um die eigentliche Botschaft dieser Tage zu entdecken, muss man das
Kaufhaus eiligen Schrittes verlassen und seinen Blick in kirchlichen
Gebäuden leicht schräg nach oben neigen. Dort, etwas angestaubt und wenig
beachtet, hängen an der Wand vierzehn bildliche Darstellungen. Vermag die
Formlosigkeit der Kunst dieser Tage auch zuweilen den dargestellten Inhalt
im nebulosen Nichts aufzulösen oder schrecklich zu verzerren, helfen heute
zur Identifizierung auch die angebrachten Ziffern und Inschriften. Hier in
vierzehn Stationen findet sich das heilsbringende Leiden Christi, als Via
Crucis in Ausschnitten uns vor Aug' und Herz gestellt.
Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi. Quia per sanctam Crucem tuam
redemisti mundum.
(Wir beten Dich an, Christus, und preisen Dich. Denn durch Dein heiliges
Kreuz hast Du die Welt erlöst.) Das ist die Botschaft dieser Tage. Doch es
ist nicht eine Botschaft, die jedes Jahr von neuem aufgewärmt den
Gläubigen zum freitäglichen Kaffeekränzchen serviert wird. Sie ist
Kernstück unseres Glaubens und gleichzeitig auch Aufruf unseres Handelns.
Ein
Aufruf!
Lassen wir unseren Blick über die Kirchenmauern schweifen und die Nummer
Fünf des Kreuzwegs ins Auge fassen. Dort hilft Simon von Cyrene Christi
Kreuz zu tragen. Doch wie kann das sein? Ist Er, der da unter der Last
zusammenbricht, nicht der Christus, Gott, allmächtig - Er, durch den alles
erschaffen wurde? Er, der Herrscher das Alls, soll unter der Last eines
Stücks Holz zusammenbrechen? Ist er nicht Mensch und Gott zugleich? Reicht
denn nicht sein bloßer göttlicher Wille aus, um die Welt aus den Angeln zu
heben?
Es ist dies die Offenbarung der Größe Gottes. Und würde es einer
japanischer Touristengruppe, Rainer und Renate H. sowie all den anderen
besorgten Kirchenbesuchern nicht gar so unheimlich erscheinen, müssten wir
vor dieser fünften Station des Kreuzweges mit offenem Mund und kugelrunden
Kinderaugen stundenlang in ehrfürchtigem Schweigen verweilen. Gott ist so
groß, dass er uns nicht braucht und doch will. Er kann die Erlösung mit
einem Wort vollbringen und doch will er, dass der Mensch an diesem Werk
teilhat. Doch nicht nur das. Er gibt ihm auch die Kraft das Werk
auszuführen. Simon der das Kreuz Christi hinauf nach Golgotha trug, war
vielmehr selbst von seinem Schöpfer und Erlöser getragen. Und so, sagt der
hl. Augustinus, krönt Gott dereinst in Herrlichkeit die Werke die er
selbst in uns gewirkt hat.
Dies ist das Geheimnis Marias und ihrer Erwählung. Es ist das Geheimnis
der Kirche, die Gott nicht gebraucht und doch gewollt hat. Es ist das
Geheimnis jenes Simon aus Cyrene, der gerade vom Feld kam (Mk. 15:21). Und
es auch unser eigenes. Gott braucht uns nicht, aber in seiner Größe will
Er uns um sein Erlösungswerk in die Welt hinauszutragen. Was für eine
erhabene Berufung.
So Christ, bekehre dich, stärke dich durch den Empfang der Sakramente, das
Brot, das alle Süßigkeit in sich birgt, und nimm Dein Kreuz auf dich! Nimm
1! Folge Christus durch den Tod hindurch zur Herrlichkeit Auferstehung.
[ (c)
Amici di Dio ]
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