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Der 'Homo sperans': Eine kirchliche Zoologie
Was
ist ein Christ? 'Er umarmt im Zoo der Welt das Stück Holz.' Ein
abenteuerlicher Tauchgang im katholischen Tümpel von Johannes M. Schwarz.
Wir haben sie in unzähligen Fernsehdokumentationen gesehen - die Welt der
Löwen in Savannen, die grauen Riesenkangaroos des roten Kontinents,
Bisamratten in Erewan... . Doch lassen wir Wälder, Wüsten, Wäscheleinen
hinter uns und begeben wir uns auf einen aufregenden Tauchgang in ein
nahezu unerforschtes Feuchtbiotop - den katholischen Tümpel. Dem
Betrachter eröffnet sich eine faszinierende Welt - schrill und bunt, wenn
auch nicht immer ganz symbiotisch. So hört man an der Oberfläche, aus dem
schützenden Schilfgürtel der menschlichen Weisheit hinten links, laute
Unkenrufe. Unweit davon schlüpfen gerade die kurzlebigen weiblichen
Eintagsfliegen, deren schillernde Flügel lila Stolen nicht unähnlich sind.
Rechts ruhen die an monotonen Lippenbewegungen erkennbaren, untätigen
Klagekarpfen, während andere Fischarten, die von Abfällen leben, eifrig
den Boden des Tümpels nach unappetitlichen Pressehappen durchsuchen und
dabei zumeist nur Schlamm aufwühlen und die Sicht trüben. Etwas
desorientiert durch die Tarnung des heideggerschen Hechts schwimmt ein
Fischschwarm (im Fachjargon ,Schule' - bei Oberflächennähe auch
,Hochschule') dem Abfluss entgegen. Doch halt! Hier hat sich etwas bewegt,
was im Treiben des katholischen Tümpels beinahe dem Auge entgangen wäre.
An ein Stück Holz geklammert, verharrt ein besonders seltenes Exemplar -
ein ,homo sperens' - ein hoffender Mensch! Es lohnt sich, diese Gattung,
die sich wenig von den Vorgängen des Teiches aus der Ruhe bringen lässt,
näher zu untersuchen.
Der ,home sperans' bezieht seinen Namen von der ihm eigenen Hoffnung. Was
nun ist Gegenstand von Hoffnung? Ein hohes und schwierig erreichbares Gut,
das erreichbar aber noch nicht erreicht ist. Pause. Den letzten Satz noch
einmal langsam lesen. Gut. Weiter. Was ist Gegenstand der Hoffnung, über
die wir hier sprechen? Es ist keine Hoffnung auf ein ruhiges Leben, auf
Reichtum, irdisches Glück oder eine unzerdrückte Zahnpastatube. Gott
selbst ist das ,Gut', auf das wir hoffen. Hoffnung ist auf Gott hin
gerichtet. Als solche ist sie zusammen mit Glaube und Liebe, eine der drei
theologischen Tugenden. Euphorie. Großartig diese Hoffnung. Doch dann
fällt uns Paulus (I Kor. 13:13) ein, bei dem es heißt: 'Glaube, Hoffnung,
Liebe, diese drei; die größte von diesen aber ist die Liebe.' Was nun?
Glaube wird vergehen, wenn wir einst nicht länger glauben sondern sehen.
Hoffnung wird vergehen, wenn wir einst das Gut, auf das wir hoffen, in
Empfang genommen haben. Allein die Liebe wird bleiben, wachsen und
vervollkommnet werden. Darum ist sie die größte der drei Tugenden.
Ist sie also doch nicht so wichtig - die Hoffnung? Mitnichten! Liebe als
theologische Tugend ist nicht nur Gottesliebe, sondern auch eine besondere
Freundschaft mit Gott. Als solche finden wir Gegenseitigkeit in der Liebe
und Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft beginnt schon jetzt, hier auf Erden,
durch das Leben in der Gnade, aber wird im Zukünftigen seine Erfüllung in
Herrlichkeit finden. Würden wir glauben, dass so eine Freundschaft mit
Gott unmöglich sei, oder dass keine Hoffnung bestünde, sie je zu
erreichen, könnten wir nur verzweifeln, aber Gott nicht lieben. Ohne
Glaube und Hoffnung kann daher Liebe nicht sein. Und darum ist für den
Christen, den Glaubenden, die Hoffnung unersetzlich. Weil er die Hoffnung
auf die Freundschaft mit Gott setzt, wird er sie, ob der
Hoffnungslosigkeit des Eingangs erwähnten Tümpels, niemals sinken lassen.
Er sehnt sich nach der Hl. Eucharistie, in der die Hoffnung auf
Gemeinschaft gestärkt, genährt und sakramental vollzogen wird. Er umarmt
im Zoo der Welt das Stück Holz, das Kreuz, durch das diese Freundschaft
mit Gott erst möglich wurde und wird.
[ (c)
Amici di Dio ]
http://www.kath.net/amici/
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