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Durch das Kreuz zur Seligkeit: Sieben Thesen zu Ziel und Weg priesterlicher Seelsorge 

DT vom 07.01.2006
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Durch das Kreuz zur Seligkeit - Sieben Thesen


Durch das Kreuz zur Seligkeit - dieser Titel fasst schlagwortartig die gesamte Soteriologie, die Heilslehre der Kirche, zusammen. Doch geht es hier nicht darum, einen Grundriss der Soteriologie zu geben. Die Frage ist: Was bedeutet das Schlagwort vom Kreuz als Weg zur Seligkeit für das priesterliche Leben, für den Dienst in der Seelsorge, für das priesterliche Sein und Wirken? Sieben Thesen zu Ziel und Weg priesterlicher Seelsorge sollen Aufschluss über diese Frage geben. Die folgenden Thesen erheben beileibe nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Man betrachte sie als Mosaiksteine, die sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen lassen können, zu einem Gesamtbild, das sich aber durch eigene Einsichten und Erkenntnisse, durch die Früchte des Betens und Betrachtens ergänzen lässt.

Wer das Kreuz betrachtet, schaut es anders an als etwa die Folterwerkzeuge einer Folterkammer des Mittelalters. Es geht nicht um eine medizinisch-technische Analyse dessen, was die Hinrichtung am Kreuz bedeutet. Wir betrachten das Kreuz als Ort und Zeichen einer unsagbaren Liebe Gottes zu uns Menschen. "Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung", beten wir im vierten Eucharistischen Hochgebet. Das Kreuz ist Gipfel und Höhepunkt der lebenslangen Hingabe des Gottessohnes an die Menschen. Diese Hingabe beginnt damit, dass sich Gott ganz und gar in die Hände einer menschlichen Mutter gibt, die so zur Gottesmutter wird.

Sie zeigt sich darin, dass der Gottmensch dreißig seiner dreiunddreißig irdischen Lebensjahre, also mehr als neunzig Prozent seines Lebens, in völliger Verborgenheit und Abgeschiedenheit von der Weltgeschichte verlebt. Ja, Gott ist in seinem Sohn so demütig, dass er ein ganz normales irdisches Leben teilt, ein Leben als Handwerker, als Sohn einer Familie, als Glied der Gesellschaft. Schon allein in dieser Tatsache zeigt sich die hohe Würde und Bedeutung des alltäglichen Lebens, das durch die Gegenwart des Gottessohnes gewürdigt wird. Die Liebe Gottes zu uns Menschen, die sich hier zeigt, wird noch gesteigert durch das öffentliche Wirken des Herrn, in dem er in Geduld, ja in unermüdlicher Geduld nicht nur ein unwissendes Volk lehrt, sondern auch seine oft nicht verständigeren Apostel. Im Laufe seines öffentlichen Lebens wird er mehr und mehr bedrängt, von Privatleben keine Spur. Die Anfeindungen werden größer, selbst seine engsten Freunde wollen ihn verlassen. Seine Familie hält ihn für verrückt.

Das Leben des Herrn ist ein einziges sich Verschenken an die Menschen, ein sich Hingeben zugunsten der vielen. "Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung". Gipfel und Vollendung dieser lebenslangen Hingabe nun ist die Kreuzeshingabe. Dem Gottessohn tun buchstäblich alle Sünden aller Menschen, aller Generationen "Leid". Stellvertretend für alle trägt er dieses von Sünde verursachte Leid. Und so wird aus Sünde Liebe und aus Tod das Leben. Der Menschensohn "ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele" (Mk 10, 45), sagt Christus. Das Schlüsselwort für das gesamte Leben Jesu lautet "Hingabe", und diese findet ihre Vollendung und ihr Maß in der Lebenshingabe Jesu am Kreuz. In der Weiheliturgie hat der Bischof den Kandidaten Kelch und Hostienschale mit den Worten überreicht: "Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes." Der Kern priesterlichen Tuns ist das in persona Christi capitis agere, das "in der Person Christi des Hauptes handeln".

Seinen objektiven Höhepunkt findet dies, wenn der Priester als Zelebrant der heiligen Messe Christus Hände und Stimme leiht. Doch dieses in persona Christi agere dürfen wir nicht auf diese Augenblicke einengen. Das Wort aus der Weiheliturgie erinnert uns: Unser ganzes Leben soll ein in persona Christi agere sein. "Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir", sagt der Apostel Paulus (Apg 17, 28). Es geht um ein Sein in Christus. Immer wieder wurde und wird die Frage nach der Identität des Priesters gestellt. Ganze Bibliotheken werden dazu geschrieben. Viele dieser Überlegungen setzen bei Funktionen und Aufgaben, die einem Priester anvertraut werden, an. Wenn wir jedoch das Priestertum lediglich an diesen Funktionen aufhängen, dann kann es nur sehr schnell in eine Krise geraten, denn alle diese Funktionen sind dem Wandel der Zeit unterworfen. Die Tätigkeit eines Pfarrers heute und eines Pfarrers vor fünfzig Jahren sind schon sehr unterschiedlich. Und wenn ich dann noch beispielsweise die Dienste eines Krankenhausseelsorgers vergleiche mit denen eines Generalvikars, dann ist es schwer, hier überhaupt einen gemeinsamen funktionalen Nenner zu finden. Nein, eine Identität des Priesters, die sich an seinen Funktionen festmacht, bleibt an der Oberfläche, ist wechselhaft und trägt nicht durch. Wer sein Priestertum an den Funktionen festmacht, bei dem ist die Identitätskrise vorprogrammiert.

Die wahre Identität des Priesters liegt einzig und allein in Christus Jesus selbst. Er ist gekommen, sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Folglich ist dies auch Identität und Sendung des Priesters. Wir alle haben eines gemeinsam: Unsere Berufung ist es, uns die Hingabe Jesu zu Eigen zu machen, mit ihr eins zu werden. Und diese Hingabe wiederum nimmt Gestalt an in den verschiedenen Diensten, Aufgaben und Funktionen, die wir erfüllen. Aber wer könnte wohl von sich behaupten, ihm würde es aus eigener Kraft gelingen, es der Hingabe Jesu gleichzutun. Ist dies nicht eine unglaubliche Anmaßung oder günstigenfalls eine unerfüllbare Träumerei? Und dennoch geht es hier nicht um eine Art geistliche Akrobatik oder ein unerfüllbares Ideal. Der heilige Augustinus sagt in einem Gebet: "Da quod iubes et iube quod vis" - "Gib, was du gebietest, und gebiete, was du willst." (Confessiones X, 29, 40).

Wenn das aber so ist - und es ist in der Tat so - , dann ist der erste Dienst eines jeden Priesters die Hinwendung und Öffnung gegenüber dem Wirken des Dreifaltigen Gottes. Denn nur er kann es uns schenken, das nachzuahmen, was wir in der Feier der heiligen Messe vollziehen: die Liebe Gottes zu uns Menschen bis zur Vollendung. Im ersten Eucharistischen Hochgebet heißt es in der Einleitung zu den Wandlungsworten: "Am Abend vor seinem Leiden nahm er diesen erhabenen Kelch in seine heiligen und ehrwürdigen Hände." Ein neu geweihter Priester mag zunächst über diese Formulierung stolpern, denn es war ja wohl ein anderer Kelch, den der Herr vor zweitausend Jahren in Händen hielt, als der Kelch, den der Zelebrant bei der heiligen Messe in Händen hält. Und dennoch ist diese Formulierung bewusst gewählt und macht deutlich, dass das Geschehen im Abendmahlssaal, das Geschehen auf Golgatha und das Geschehen des Ostermorgens Raum und Zeit sprengen und lebendige Realität in der Gegenwart werden. Im Augenblick des Vollzugs der heiligen Messe kommt es zur sakramentalen Identität des Lebens und der Hingabe Jesu mit dem Leben und der Hingabe des Priesters.

Wenn Priester ehrlich ihr Leben betrachten, dann stellen sie doch immer wieder fest, dass sie weit hinter dem zurückbleiben, was eine Nachahmung der Lebenshingabe Jesu bedeutet. Umso tröstlicher und ermutigender ist da, die heilige Messe feiern zu dürfen, gnadenhaft die Hingabe Jesu vollziehen zu dürfen, in einer sakramentalen Identität mit ihm. Hier wird die eben bereits angedeutete Identität der Sendung des Priesters mit der Sendung Jesu reale Wirklichkeit. Im Vollzug der heiligen Messe ist diese Hingabe kein fernes Ideal mehr, sondern geschenkte Wirklichkeit. Bei all dem, was es an unterschiedlichen priesterlichen Funktionen und Diensten geben mag, eines haben alle gemeinsam: Jeder Priester darf die heilige Messe feiern, darf so in die sakramentale Identität mit Jesus Christus gelangen. Vor diesem Hintergrund erscheint die "eindringliche" Empfehlung zur täglichen Zelebration in can. 304 CIC in neuem Licht.

Wenn unsere Identität die Identität Jesu Christi ist und wenn meine Identität und die Identität Jesu Christi in der heiligen Messe miteinander verschmelzen, dann ist die Zelebration für unsere priesterliche Identität geradezu lebensnotwendig. Immer wieder ist von der Identitätskrise der Priester unserer Tage die Rede. Es steht niemandem an, über auch nur einen, der in eine solche Krise geraten ist, ein Urteil zu fällen. Doch bildet die tägliche Verschmelzung mit der Identität Jesu Christi durch die Feier der heiligen Messe einen unersetzlichen Schutz vor einer solchen Identitätskrise. Vor diesem Hintergrund wäre es töricht, auch nur einen Tag ohne Not auf die Feier der heiligen Messe zu verzichten. Sie ist das größte Geschenk, das uns der Herr anvertraut hat. Und durch die sakramentale Identität mit Jesus Christus stärken, profilieren und erhalten wir unsere eigene Identität. Zur Erinnerung: Die Worte des Bischofs an die neu geweihten Priester bei der Übergabe von Kelch und Hostienschale lauten: "Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes." Die heilige Messe ist Kern und Höhepunkt priesterlichen Tuns. Zeitlich gesehen macht sie jedoch nur einen kleinen Teil des Tages aus. Der Auftrag für diesen anderen Teil des Tages: "Ahme nach, was du vollziehst."

Welche Rolle spielt die heilige Messe im Gefüge unseres Tagesablaufes? Haken wir sie routinemäßig ab, wie beispielsweise die Mahlzeiten und das Lesen der Zeitung? Fristet die heilige Messe in unserem Leben eine Art Inseldasein, isoliert vom sonstigen Geschehen am Tag? Die Versuchung ist sicherlich groß. Die Zeit für die heilige Messe ist reserviert, und dann kommt es zu einer mehr oder weniger umfangreichen Abfolge von einzelnen Terminen, Gesprächen, Tätigkeiten. Da kann es passieren, dass die heilige Messe einer von vielen Terminen ist und im Ganzen ein Inseldasein fristet. "Ahme nach, was du vollziehst." Hinter diesem Wort steckt der Auftrag, sich um die Einheit des Lebens zu mühen, dafür zu sorgen, dass die sakramentale Hingabe des Priesters, die in der heiligen Messe mit der Hingabe Jesu Christi identisch wird, auch unseren Alltag prägt und durchdringt, so dass unser ganzes priesterliches Leben eine Einheit bildet. Es geht darum, dass sich die unermessliche Liebe Gottes zu uns Menschen, die wir in der heiligen Messe sakramental gefeiert haben, in unserem Leben widerspiegelt.

Eine Mystikerin aus dem zwanzigsten Jahrhundert, die Französin Gabrielle Bossis, hörte immer wieder die Stimme des Herrn. In einem geistlichen Tagebuch schrieb sie nieder, was der Herr ihr im Laufe der Jahre sagte. Und an einer Stelle sagt Christus zu ihr: "Mühe dich, für alle mein Lächeln zu sein, meine liebenswerte Stimme." Priester sind dazu geweiht, Christus zu repräsentieren, ja in seiner Person zu handeln. Sakramental geschieht dies in der heiligen Messe. Es sollte sich auch niederschlagen in allen unseren Tätigkeiten, Worten, Gesten, Gedanken und Beschäftigungen. Das Priestersein beschränkt sich nicht auf die heilige Messe, sondern umfasst jeden Augenblick des Tages, auch in der Freizeit, auch im Schlaf. Eine nicht ganz unbedenkliche Entwicklung sei an dieser Stelle erwähnt: Im Erzbistum Köln werden in den letzten Jahren von Mitbrüdern häufig besondere Baumaßnahmen in Pfarrhäusern gewünscht. Und in diesen Bauanträgen, die zum Teil sehr kostenintensiv sind, geht es häufig darum, dass der "Privatbereich" des Priesters vom "Dienstbereich" des Pfarrhauses deutlich getrennt ist. In vielen alten Pfarrhäusern ist dies nur mit erheblichem Aufwand möglich, da ein solches Anliegen früher so nicht bestand. Wohl gemerkt, auch ein Priester muss einmal hinter sich die Türe zumachen können, und jeder Mitbruder sollte sich auch genügend Zeit zur Erholung und auch Urlaub gönnen.

Und dennoch, negativ formuliert: Es gibt eine Tendenz zur "Beamtung" des Priestertums. Es gibt Sprechstunden und Dienstzeiten, es gibt das Privatleben und das dienstliche Leben. Nicht selten wird die Zelebration der heiligen Messe auf die Gemeindemessen beschränkt mit der Konsequenz, dass beispielsweise im Urlaub manche Mitbrüder keine heilige Messe feiern. Die Pensionierung vom Dienst in der Pfarrei oder anderswo verstehen auch manche als Beendigung des priesterlichen Dienstes. In den romanischen Ländern wird der Priester als "Vater", "Padre", bezeichnet. Das Paradigma des Vaters ist für das Priesteramt viel zutreffender als das des Beamten: Auch ein Vater braucht einmal Ruhe, und dennoch ist er immer Vater. Auch einem Vater können einmal die Kinder auf die Nerven gehen, und dennoch wird er sich immer um ihr Wohl und Wehe sorgen - wenn er denn ein guter Vater ist. Ein Vater weiß, dass er von seinen Vateraufgaben nie entbunden wird und es auch bleibt, wenn die Kinder erwachsen geworden sind.

Wie schlägt sich die heilige Messe in Leben des Priesters nieder? Bemühen wir uns darum, die Hingabe, die wir sakramental dort gefeiert haben, in unseren Alltag zu übersetzen? Bemühen wir uns, unser Leben, mit Christus vereint, zugunsten der Menschen zu verschenken! Haben wir dabei keine Sorge, selbst zu kurz zu kommen! Ein Wort des Herrn an Gabrielle Bossis lautet: "Je mehr du Licht abgibst, desto mehr wirst du für dich behalten." Und weiter: "Je mehr du dich den anderen gibst, desto mehr gebe ich mich dir." Das ist die Ökonomie des Evangeliums, das ist die Ökonomie Gottes, die auch in uns wirksam wird. Ein Beispiel: Der Autor dieses Beitrags wurde 1993 zum Priester geweiht und war dann in Neuss in den Pfarreien St. Marien und St. Barbara tätig. Als Kaplan noch von vielen Verwaltungstätigkeiten verschont, konnte er sich in die Kinder- und Jugendarbeit stürzen. Es gab viele Gottesdienste zu halten, und er hatte sogar das Glück, viele Beichten hören zu können. Kurzum: Sein Tagesablauf war geprägt von vielen genuin priesterlichen Tätigkeiten. 1996 berief ihn der Kölner Erzbischof in die Domstadt und er wurde Erzbischöflicher Kaplan und Geheimsekretär. Von jetzt auf gleich fiel der überaus größte Teil der genuin priesterlichen Tätigkeiten des Verfassers weg. Im Grunde blieben nur die Zelebration der heiligen Messe und das Beten des Stundengebetes, sozusagen als Verlängerung der Eucharistie in den Tagesrhythmus der fünf Gebetszeiten hinein. Das war nicht leicht. "Bist du dazu Priester geworden", fragte er sich, "wenn du die meiste Zeit des Tages damit verbringst, Dinge zu tun, die auch andere tun könnten?"

Viele Mitbrüder stellen sich ähnliche Fragen angesichts der immensen Verwaltungstätigkeiten, die Priester vor allen Dingen in der Pfarrseelsorge leisten müssen oder angesichts vieler repräsentativer Pflichten, die vor allen Dingen auf Pfarrer im ländlichen Bereich warten. Nur am Rande bemerkt: Die Frage, welche Verwaltungsverpflichtungen auf einem Pfarrer lasten müssen und welche man abbauen kann und auch sollte, diese Frage ist eine, die mich sehr bewegt. Hier muss sich in Zukunft einiges ändern. Innerkirchliche Verfahren und Verwaltungsabläufe müssen vereinfacht werden und es müssen mehr Delegationsmöglichkeiten geschaffen werden als es bisher gibt. Geht man vom Status quo aus, haben viele Priester eine Reihe von Verpflichtungen, die nichts mit direkten priesterlichen Aufgaben zu tun haben. Das gilt auch für eine ganze Reihe von Tätigkeiten eines Generalvikars. Wie kann es ihnen gelingen, alle diese Tätigkeiten dennoch mit ihrer Berufung in Einklang zu bringen?

Und auch hier lautet das Schlüsselwort "Hingabe". Priesterliche Berufung ist es, das Leben an der Seite Christi zugunsten der Menschen hinzugeben. Gott sei Dank bedeutet dies für uns in unseren Breitengraden nicht die buchstäbliche Hingabe des Lebens im Martyrium. Priester haben ein anderes "Martyrium" zu leben, eine andere Form von "Zeugnis" zu geben. Ihre Aufgabe ist es, alle unsere Tätigkeiten mit dieser priesterlichen Hingabe zu durchdringen. Vielleicht lässt sich das anhand eines Vergleiches deutlich machen: Man betrachte ein Gemälde, das eine Landschaft in perspektivischer Darstellung zeigt. Dort gibt es meist außerhalb des Bildes einen so genannten perspektivischen Punkt. Auf diesen Punkt laufen alle Linien des Bildes zu. Ob es Häuser, Wege oder Bäume sind, alle sind auf diesen perspektivischen Punkt hingeordnet, ansonsten fällt das Bild auseinander. Ebenso müssen auch alle Linien des priesterlichen Lebens hingeordnet sein auf die grundlegende Berufung zur Hingabe. Und so macht es einen erheblichen Unterschied, ob ein Pfarrer beispielsweise eine Kirchenvorstandssitzung als lästigen Verwaltungsakt sieht oder als seinen Dienst, um die materielle Grundlage für die Seelsorge und die Verkündigung des Evangeliums zu legen. So macht es einen Unterschied, ob ein Priester die Unterschrift unter die Beglaubigung eines Taufzeugnisses als störende Belästigung betrachtet oder diese Unterschrift verbindet mit einem Gebet für das Kind Gottes, dessen Taufe die Bescheinigung bezeugt.

Das große Wort "Hingabe", es vollzieht sich in vielen kleinen Akten. Hier kann Priestern zum Beispiel die Spiritualität des heiligen Josefmaria Escriva eine gute Hilfe sein, deren zentraler Punkt die Heiligung des Alltags ist, die zum Ziel hat, jeden Augenblick des Lebens in eine Gelegenheit zu verwandeln, Gott und den Nächsten zu lieben. Auch die Texte von Madeleine Delbrel atmen einen ähnlichen Geist, und viele geistliche Bewegungen suchen auf unterschiedlichen Wegen, den Alltag zu heiligen. Allen ist gemeinsam: Es kommt nicht so sehr darauf an, was man tut, sondern wie man es tut, in welcher Haltung, in welcher Perspektive. Wenn sich Priester in ihrem geistlichen Leben darum bemühen, alle Tätigkeiten, ob sie ihnen liegen oder nicht, ob sie sie sich ausgesucht haben oder andere sie ihnen auferlegt haben, unter der Perspektive der priesterlichen Hingabe zu leben und zu vollziehen, dann kann es ihnen auch heute gelingen, frohe und dankbare Priester zu sein - in allen ihren Tätigkeiten. Die priesterliche Berufung ist zunächst kein Geschenk zur Selbstheiligung. Die Heiligkeit ist ja bekanntlich eine Berufung, die allen Ständen der Kirche zu Eigen ist.

Das Ziel priesterlicher Berufung ist es, andere auf den Weg der Heiligkeit, auf dem Weg zur Seligkeit zu führen und zu begleiten. Am Ende des Jakobusbriefes heißt es: "Meine Brüder, wenn einer bei euch von der Wahrheit abirrt und jemand ihn zur Umkehr bewegt, dann sollt ihr wissen: Wer einen Sünder, der auf Irrwegen ist, zur Umkehr bewegt, der rettet ihn vor dem Tod und deckt viele Sünden zu" (Jak 5, 19 - 20). Es gab Zeiten, in denen die Möglichkeit, den hier geschilderten "Tod" zu erleiden, das heißt, in die Hölle zu kommen, die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Hier und da konnte diese Angst zum beherrschenden Moment der Verkündigung werden. Dabei wurde dann die Güte und Barmherzigkeit Gottes zu wenig in den Blick genommen. Heute ist alles andere als Angst und Schrecken vor der Möglichkeit der Hölle zu beobachten. Der Verfasser hat jedenfalls in seinem 38-jährigen Leben nicht eine "Höllenpredigt" gehört, von denen die Generation seiner Eltern noch lebhaft berichtet. Es geht hier auch nicht darum, neue Höllenangst zu implantieren. Dennoch sollten Priester ernst nehmen, dass Gott die Freiheit der Menschen ernst nimmt, dass er niemanden zu seiner Liebe und Freundschaft, seinem Heil zwingt. Liebe und Zwang schließen einander aus. Die Sendung des Priesters ist es, die Menschen, die ihm anvertraut sind, an die Hand zu nehmen und ihnen zu helfen, dieses Ziel der Seligkeit zu erreichen. Darum geht es.

Priesterliche Aufgabe ist es nicht in erster Linie, soziale Programme zu entwickeln und umzusetzen, so wichtig sie auch sein mögen. Und auch einen wie auch immer gearteten pfarrlichen Betrieb aufrechtzuerhalten, ist kein Selbstzweck. Er hat nur dann Sinn, wenn er dazu dient, den Menschen zu helfen, ihr Ziel zu erreichen. Das meint Seelsorge im buchstäblichen Sinn, die Sorge darum, dass die Seele zu ihrem Ziel kommt, zur Seligkeit. Und hier dürfte Priestern in der Tat keine Mühe zu schwer und kein Dienst zuviel sein. "Salus animarum lex suprema", so lautet ein altes kanonistisches Axiom, mit dem auch der letzte Kanon des CIC von 1983 endet. Das Heil der Seelen ist das höchste Gesetz und steht über allem. Bei allen priesterlichen Tätigkeiten ist die Versuchung groß, dass diese "lex suprema" in marginale Bedeutung absinkt. Das wäre verhängnisvoll. Dann würden Priester das Ziel der Hingabe Christi und damit das Ziel der priesterlichen Hingabe aus den Augen verlieren oder gar verraten. Es empfiehlt sich, in die abendliche Gewissenserforschung immer auch einmal die Frage einbauen, wie sehr es in all den Tätigkeiten des Tages um einen Dienst am Heil der Seelen ging.

Und wenn Priester so weit sind, dass sie das Heil der uns anvertrauten Seelen kalt lässt, dann wird es höchste Zeit, korrigierend einzugreifen. Die Sorge um die Seelen wird sicher in unserem Leben immer wieder neue Umkehr und Neuanfang erfordern. Priesterlicher Eifer für die Seelen ist jedenfalls so etwas wie ein Seismograf für die Intensität und Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre Berufung leben. Der Gedanke an alle Dimensionen des Priestertums und den Anspruch, der damit verbunden ist, kann vielleicht manchmal beängstigend sein. Priester spüren Defizite in ihrem Leben, das Delta zwischen Anspruch und Verwirklichung, den Abstand zwischen Schein und Sein. Sie können sich damit trösten, dass selbst eine so große Persönlichkeit wie der Heilige Vater diese Defizite schmerzlich spürt. In seiner Predigt anlässlich seiner Amtseinführung führte er aus: "In dieser Stunde muss ich schwacher Diener Gottes diesen unerhörten Auftrag übernehmen, der doch alles menschliche Vermögen überschreitet. Wie sollte ich das? Wie kann ich das? Aber Ihr alle, liebe Freunde, habt nun die ganze Schar der Heiligen stellvertretend durch einige der großen Namen der Geschichte Gottes mit den Menschen herbeigerufen, und so darf auch ich wissen: Ich bin nicht allein. Ich brauche nicht allein zu tragen, was ich wahrhaftig allein nicht tragen könnte" (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 168, S. 31). Wir Priester dürfen uns diese Worte des Heiligen Vaters zu Eigen machen. Und an der Spitze der Heiligen, die der Papst erwähnt, steht die Gottesmutter Maria. Sie hilft Priestern, zu tragen und zu erfüllen, was sie allein nicht tragen und erfüllen konnten. Daher ist es notwendig, dass sie sich auch immer wieder der helfenden Fürsprache Mariens anvertrauen. Der Rosenkranz ist hier ein unersetzliches Gebet und eine unerschöpfliche Quelle der Ermutigung und Erneuerung.

Priester sollen sich nicht durch eigene Schwäche und Sünde, durch Defizite entmutigen lassen. Gottes Gnade ist stärker als menschliche Schwachheit. Die Gottesmutter Maria taucht im Evangelium immer in "Krisensituationen" auf, angefangen bei der Geburt ohne Herberge und der Flucht nach Ägypten, über die Weinkrise bei der Hochzeit zu Kanaa bis hin zum Kreuz, als bis auf Johannes alle Jünger den Herrn verlassen haben. Verlassen wir uns darauf, die Gottesmutter Maria lässt uns auch und gerade dann nicht allein, wenn der priesterliche Dienst einmal schwerfallen sollte, wenn der Einzelne müde und erschöpft ist und nicht weiterweiß oder meint, seine Pflichten wachsen ihm über den Kopf und die Kräfte reichen nicht aus. In allen Situationen dürfen sich Priester immer wieder an die Gottesmutter Maria wenden und sie um ihre mütterliche Hilfe und ihren Schutz bitten. Sie wird ihn ihnen nicht verwehren. Auch heute gilt die alte Weisheit: "Wen der Herr belastet, den trägt er auch".

Der Verfasser betet täglich folgendes Gebet, das ihm von einem Mitbruder übersandt wurde: "Allmächtiger, ewiger Gott, du schenkst das Wollen und das Vollbringen. Schau auf deine Priester. Gib ihnen die Kraft, ihrer Berufung treu zu bleiben, die heiligen Geheimnisse würdig zu feiern und mit Festigkeit und Güte dein Wort zu verkünden, damit sie durch ihr Reden und Tun den Menschen den Weg zu dir weisen, in ihrem Beruf Freude und Erfüllung finden und für die ihnen Anvertrauten ein Segen sind. Amen."

 

 

 



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